Die heißeste Zeit des Sommers habe ich in Rom zugebracht; ich kann die Hitze genießen als einen Zustand des Außerordentlichen – die kochende Luft erzeugt die Erwartung, es werde etwas geschehen, wie bei einem hohen Fieber ist das Der-Hitze-Standhalten eine den Tag vollends und befriedigend ausfüllende Beschäftigung. Abends, wenn die Sonne gerade erst gesunken war und es noch lange hell blieb, ging ich schneckenlangsam in die Villa Celimontana, einen Park, der, wie der Name verrät, auf dem Caelius hinter dem Kolosseum liegt, und wenn sich um den Riesenbau auch die Touristen drängten, war ich, sowie die Via Claudia erreicht war, bald allein. Leicht ging es den Hügel hinauf, ich verlangsamte noch einmal meinen Schritt, an monumentalen Ziegelmauern mit hohen Nischen vorbei, den Resten eines Nymphäums, das zum legendären Palast des Nero gehört hatte. Dann begannen die Bögen eines Aquädukts, dann kam die Kirche Santa Maria alla Navicella, vor der ein kleines antikes Schlachtschiff aus weißem Marmor in einem Brunnen steht – am Bug in einen Elefantenkopf mit Rüssel, Löwenmähne und Keilerhauern auslaufend. Und daneben öffnete sich das Parktor, in ein stilles verlassenes Reich führend, mit turmhohen Pinien, schwarz-silbrigen Steineichen, die ein höhlenhaftes Dunkel erzeugten, und alten Palmen, tragisch zerzausten und vertrockneten Zeugen eines vergangenen Gartenluxus.

Der Palast inmitten dieses Parks ist kein architektonisches Meisterwerk, er solle, so erfuhr ich, aus dem sechzehnten Jahrhundert stammen, konnte aber auch viel jünger später sein, in seinem zeitlosen Klassizismus und im Zustand sanfter Vernachlässigung, die auch das Unvollkommene adelt. Der Park lag in einer Region, die, unmittelbar vor der Stadtmauer, einst ein Gräberfeld gewesen war; einige marmorne Grabsteine, als Altäre für das Trankopfer für die Toten gestaltet, waren an den vom hart getrockneten Steineichenlaub bestreuten Wegen aufgestellt. Nachdem ich diese Steine nach und nach bei meinen Spaziergängen entdeckt hatte, gewöhnte ich mich daran, sie jeden Abend einen nach dem anderen aufzusuchen: Die Reliefs mit den anatomisch präzise charakterisierten Stierschädeln, deren Hörner mit Girlanden und flatternden Bändern umflochten waren, fesselten mich hier mehr als die in den vielen archäologischen Museen der Stadt.

Es gab hier eine monolithische Marmorbadewanne aus den Thermen, eine einsam im Gebüsch verborgene große steinerne Vase, deren Rand mit einem feinen Efeu-Relief umwunden war, am Wegesrand Tempelgebälke mit Würfelmotiv und Eierstab als Sitzbänke. Ein paar Jogger zogen ihre Bahn, Philippiner führten eine Koppel teurer Hunde für deren Besitzer aus.

Die Villa Celimontana hatte einst im "Disabitato" gelegen, in den weiten Gebieten innerhalb der Aurelianischen Stadtmauern, die nach der Antike verlassen worden und zu Gartenland, Weinbergen und freiem Feld geworden waren. Von einem Aussichtspunkt oberhalb eines Neptunbrunnens blickte man immer noch über ein geschlossenes Meer von Baumwipfeln, das Straßen und Häuser verbarg und so den Schein alter Verlassenheit dieser Region von Rom erzeugte. Die Oleanderblüten in Weiß und Rosa mit ihrem ledrigen Laub, obwohl noch unverwelkt, hatten etwas von einer uralten vergessenen Dekoration, von lange dahingegangenen Gärtnern hierhergesetzt, um dem Eindruck sommerlicher Ausgetrocknetheit zu trotzen, einem künstlichen Veilchenbukett am Kostüm einer Greisin gleichend. Das war der Rahmen meines sommerlichen Musikerlebnisses; es gibt Bilder, bei denen der Rahmen wichtiger als die Malerei ist, aber ganz ohne Malerei fehlte ihnen dennoch etwas.

Die zuverlässig in abendlicher Stille verharrende Villa Celimontana war eines Abends überraschend bevölkert. Herren in blütenweißen Uniformen wandelten auf dem Kies, der Anblick dieses Weiß in seiner blendenden Fleckenlosigkeit hatte eine geradezu abkühlende Wirkung; Verschwitztheit war in seinem Zusammenhang ein unvorstellbarer Zustand. Der Palast hatte einen u-förmigen Grundriss, seine Seitenflügel ließen einen kleinen Hof entstehen, der jetzt von einem Podium ausgefüllt war, darauf Stühle mit Notenständern, davor Stuhlreihen, noch spärlich besetzt.

Ein Konzert wurde vorbereitet, aus dem Palast war das wirre Dudeln zu vernehmen, das einem Konzert vorausgeht, wenn jeder Musiker sich noch einmal allein gewisse Passagen vornimmt und sich von dem, was die andern spielen, nicht stören lässt. Durch das Parktor, zwischen antiken Säulen mit nicht zu ihnen gehörenden korinthischen Kapitellen strömte jetzt auch Publikum, schön gemachte Frauen mit Kindern, würdige ältere Ehepaare. Die Reihen füllten sich. Ein Militärkonzert. Es würde die Banda der italienischen Marine spielen, deshalb das Uniform-Weiß. Eine Militärkapelle macht Blasmusik.

Ich bekenne, dem Reiz der Blasmusik verfallen zu sein. Das Ineinander von schneidenden Trompeten, wehmütig weichen Hörnern, gnadenlosen Posaunen, gurrenden Oboen, keckernden Klarinetten und vor allem dem beinahe tonlosen Rummsen der Tuba erfüllt für mich ein musikalisches Ideal. Der Zusammenklang all dieser Instrumente – ein paar spitzige Flöten nicht zu vergessen – ist mir wichtiger als das Stück, das da zu Gehör gebracht wird. Ein Blasorchester hat etwas von einer großen Musikmaschine, einem scheppernden Orchestrion.

Im achtzehnten Jahrhundert sprach man von "Harmonie"-Musik, wenn Opernpartituren für Blasorchester umgeschrieben wurden, und bei solchen "Harmonien" – etwa Die Entführung aus dem Serail für Blasorchester – schmilzt mein Herz in Wehmut dahin, als dürfe ich für Minuten eine untergegangene Süße des Lebens auskosten.