Was haben Sie in diesem Jahr zum ersten Mal getan?

Eine Salzharfe zusammengeschraubt. Bei unserer Antarktis-Expedition diesen Winter werden wir Löcher in Eisschollen bohren und dieses Gerät darin versenken. Über Satellitenfunk wird es uns dann lange Zeit Daten senden, aus denen wir mehr darüber erfahren, wie das Packeis wächst oder schmilzt und sich der Salzgehalt ändert. Meist findet meine wissenschaftliche Arbeit am Rechner statt, wo ich Zigtausende solcher Daten zusammen mit physikalischen Formeln in einer Computersimulation der Antarktis verwende. Als Mathematikerin mag ich diese Arbeit mit den Berechnungen sehr. Aber es ist besonders schön, auch etwas mit den Händen zu tun, so wie bei der Salzharfe.

War 2017 besser oder schlechter, als Sie es Silvester 2016 erwartet hatten?

Ich versuche meistens nicht zu viel zu erwarten. Und mir meinen Optimismus zu erhalten.

Wer war für Sie 2017 eine Hoffnung?

Die vielen Menschen, die beim March for Science für Fakten statt Fake-News auf die Straße gegangen sind, Wissenschaftler wie Nichtwissenschaftler, in Berlin genauso wie in New York.

Und wer war eine Enttäuschung?

Das Lakritzeis. Ich mag Eis, ich mag Lakritze, nur die Kombination ...

Was war Ihr persönlicher Sieg 2017?

Als ich in Tel Aviv zum ersten Mal auf Hebräisch nach dem Weg gefragt habe – und auch tatsächlich angekommen bin.

Und Ihre Niederlage?

Niederlage klingt mir zu endgültig. Ich gebe selten auf.

Worüber haben Sie sich am meisten gefreut?

Momente der Freude hat es viele gegeben – von der Fahrradtour entlang der Havel über das Knacken eines wissenschaftlichen Problems bis zum Kubb-Spiel mit Freunden und Familie.

Und worüber am stärksten geärgert?

Den Ausstieg der USA aus dem Pariser Abkommen zum Klimaschutz.

Was war für Sie die größte Überraschung?

Als ich einen Brief von einer befreundeten Wissenschaftlerin aus dem Amazonasgebiet aus dem Kasten gefischt habe. Richtige Briefe auf Papier, handgeschrieben und mit bunter Marke auf dem Umschlag, finde ich immer eine tolle Überraschung.

Was haben Sie 2017 vermisst?

Mehr Zeit.

Auf welche Nachricht(en) hätten Sie am liebsten verzichtet?

Die gefakten.

Was würden Sie in diesem Jahr gern korrigieren, an sich selbst und an anderen?

Ich glaube, wir könnten alle etwas positiver auf die Welt blicken. Nicht nur sehen, was nicht geht oder schlecht ist, sondern was möglich ist und was besser geht. Ich versuche das.

Was haben Sie 2017 Wichtiges gelernt?

Wie stark das Eis Grönlands und das der Antarktis miteinander in Beziehung stehen, über die großen Strömungen in der Atmosphäre und im Ozean. Dass es da grundsätzlich Zusammenhänge gibt, ist schon lange bekannt, aber die Dimension habe ich erst jetzt wirklich zu erfassen gelernt. Und das hat Konsequenzen für unser Verständnis vom Einfluss des Klimawandels auf Kippelemente im Erdsystem, wie die großen Eismassen es sind. Wenn wir hier mehr verstehen, können wir auch bessere Informationsgrundlagen liefern für Entscheider.

Was war Ihr schönster Ort?

Kyoto. Ich war für eine Konferenz dort, es war meine erste Reise nach Japan. Und ich habe mich auf eine sehr schöne Art dort zugleich fremd und willkommen gefühlt.

Und Ihr schönster Moment?

Einer der schönsten Momente ist eigentlich jedes Mal beim Bergsteigen der Augenblick auf dem Gipfel, ob in den Alpen oder im Himalaja, wenn man sich umdreht und aufs Tal hinunterblickt.

Was war Ihre beste Tat?

Wahrscheinlich eine mit Papier und Bleistift.

Wie lautet Ihre Überschrift für das Jahr 2017?

"Polar-isierend".

Was war für Sie der spannendste Moment?

Ein besonders aufregender Moment war, als wir die Seesäcke mit unserer Polarkleidung für die kommende Expedition verschnürt haben – pure Aufbruchstimmung und Abenteuerlust.

Welche der Fragen, die Sie beschäftigen, ist auch 2017 unbeantwortet geblieben?

Wie schnell verliert der instabil gewordene Teil in der Amundsen-Region der Westantarktis Eismasse, und drohen auch andere Teile des Eiskontinents sich schleichend, aber unaufhaltsam zurückziehen? Das hat langfristig ungeheure Bedeutung für den Meeresspiegel weltweit.

Was wünschen Sie Deutschland für 2018?

Dass es wieder zum Klimaschutzpionier wird. Seit ein paar Jahren sinkt unser Ausstoß von Treibhausgasen nicht mehr. Doch das können, das müssen wir drehen.