Donald Trumps Wahlsieg stand kaum fest, da gab der Ökonom Paul Krugman eine düstere Prognose ab. Unter dem neuen Präsidenten werde die Weltwirtschaft in einer Rezession versinken, deren Ende nicht absehbar sei, schrieb der Nobelpreisträger in seiner Kolumne in der New York Times. An der Wall Street warnte der Finanzier und frühere Obama-Berater Steve Rattner vor einem "Markteinbruch epischen Ausmaßes". Andere Ökonomen und Investoren reagierten nicht ganz so extrem, dennoch war man sich einig, dass Trump wie ein Schock auf Konjunktur und Märkte wirken werde.

Das Gegenteil ist eingetroffen. Zuletzt wuchs die US-Wirtschaftsleistung um drei Prozent. Und das, obwohl Stürme Texas, Florida und Puerto Rico verwüstet haben. Im Jahr 2016, Obamas letztem Amtsjahr, waren es gerade mal 1,6 Prozent gewesen. Dazu haben die Börsen neue Rekorde markiert. Seit November vergangenen Jahres hat der Dow Jones, der Index der US-Großkonzerne, um mehr als 28 Prozent zugelegt. So eine Hausse nach einer Präsidentschaftswahl gab es zuletzt vor über 70 Jahren – das war 1945, als Franklin Roosevelt zum vierten Mal wiedergewählt wurde. Wichtiger noch: Die Arbeitslosenquote ist weiter gesunken. Im Oktober fiel sie auf 4,1 Prozent.

Zwar liegt Trumps Zustimmungsrate bei Umfragen im Dauertief, doch die Gefühlslage der US-Konsumenten trübt das offenbar kaum. Laut dem Conference Board, einem Marktforschungsinstitut, sind die US-Verbraucher so optimistisch wie seit bald 20 Jahren nicht mehr. Die gute Stimmung steigert auch die Konsumlaune: Die Verbraucherausgaben sind im September um ein Prozent gegenüber dem Vormonat gestiegen – zuletzt gab es einen solchen Anstieg 2009.

Entsprechend selbstbewusst geben sich der Präsident und sein Team. "Wenn Sie dachten, die Wirtschaftsdaten 2017 seien überraschend positiv ausgefallen, dann warten Sie mal 2018 ab", meldete sich Trumps Pressesprecherin Sarah Sanders Ende November per Twitter und verwies auf eine Prognose der Investmentbank Goldman Sachs. Deren Chefvolkswirt Jan Hatzius geht davon aus, dass die Arbeitslosenquote im kommenden Jahr weiter fallen wird – auf 3,7 Prozent. So niedrig war die Arbeitslosigkeit zuletzt unter Präsident Richard Nixon zu Beginn der siebziger Jahre.

Aber die Vorhersage der Banker war nicht nur positiv. Die Gruppe der Beschäftigten, die an den Rand des Arbeitsmarktes gedrängt werde, sei größer als zu anderen Zeiten mit einem boomenden Arbeitsmarkt, hieß es in dem Bericht. Und die Zahl derer, die ihre Suche nach einem Arbeitsplatz ganz aufgegeben haben, ist nach wie vor höher als vor der Finanzkrise. Vor allem weiße Männer gehören zu den Verlierern. Ihre Beschäftigungsrate hat immer noch nicht das Niveau von vor der Finanzkrise im Jahr 2008 erreicht.

Ausgerechnet diese Amerikaner, von denen besonders viele Trump gewählt haben, trifft ein weiteres Problem. Eines, das der Präsident bisher nicht lösen konnte. Zwar hat die Wirtschaft während seiner Amtszeit im Schnitt monatlich 160.000 Stellen geschaffen. Doch Löhne und Gehälter stagnieren – trotz Wirtschaftswachstum.

Trump wird nicht müde, die wirtschaftlichen Erfolge zu betonen. "JOBS, JOBS, JOBS!", schrieb er im Juli auf Twitter. Und im Oktober: "GROSSARTIGES Bruttoinlandsprodukt". Und es ist klar, dass er sie seiner eigenen Politik zuschreibt.

Doch es ist schwer zu sagen, welchen Anteil der Präsident daran tatsächlich hat. Die Erholung am Arbeitsmarkt hat bereits unter seinem Vorgänger begonnen. Die Börsenkurse steigen nicht zuletzt, weil die Notenbanken die Zinsen seit der Finanzkrise künstlich niedrig halten. Das hat Investoren dazu bewogen, auf der Suche nach höherer Rendite Aktien zu kaufen. Zudem verdankt Trump seine positive Bilanz der Tatsache, dass sich die Wirtschaft nicht nur in den USA, sondern weltweit erholt. Die der Euro-Zone wächst so schnell wie seit zehn Jahren nicht mehr. Nach über einem Jahrzehnt der Stagnation stieg sogar die Wirtschaftsleistung Japans das siebte Quartal in Folge.

Trumps größter eigener Einfluss auf die Wirtschaft erwächst bisher aus seinen Veränderungen in Behörden und Ministerien. Die hat er innerhalb kurzer Zeit auf einen wirtschaftsfreundlichen Kurs getrimmt. Die Umweltschutzbehörde EPA etwa ist dabei, Obamas Emissionsbeschränkungen wieder abzuschaffen. Das Innenministerium prüft, Naturschutzgebiete zu verkleinern oder zumindest für Öl- und Gasförderung zu öffnen. Die Behörde für Lebens- und Arzneimittel dürfte bis zum Jahresende doppelt so viele Medikamente zulassen wie unter Obama im Jahr 2016. Außerdem hat Trump versprochen, die nach der Finanzkrise von der Obama-Regierung beschlossene Regulierung für Banken und Investmentfirmen wieder zu lockern. Die Börsenaufsicht SEC, deren Spitze Trump mit einem ehemaligen Wall-Street-Anwalt besetzt hat, kündigte vor Kurzem an, auf die systematische Verfolgung von Verstößen zu verzichten und nur noch große Fälle zu ahnden.

Dennoch fehlen in Trumps Bilanz im ersten Amtsjahr die Triumphe, die er seinen Anhängern zugesichert hatte. Zu seinen wichtigsten Versprechen gehörte, die Gesundheitsreform seines Vorgängers wieder abzuschaffen. Doch die Republikaner, offiziell seine Parteifreunde, waren darüber so zerstritten, dass das Vorhaben trotz mehrerer Versuche scheiterte. Umso mehr drängt Trump auf eine Steuerreform, die unter anderem massive Steuererleichterungen für Unternehmen vorsieht. Trump und seine Partei behaupten, die Reform würde Unternehmen zu Investitionen animieren und damit das Wachstum steigern. Das wiederum würde höhere Steuereinnahmen generieren – und die Verluste aus der Senkung der Steuersätze ausgleichen.

Doch es gibt Zweifel an Trumps Steuerplänen, die bei Redaktionsschluss dieser Ausgabe noch in der Schwebe waren: Der Rechnungshof des US-Kongresses schätzt, dass sie das Haushaltsdefizit über zehn Jahre um 1,7 Billionen Dollar erhöhen würden, was am Ende wieder die Steuerzahler belaste. Und ob das Steuergeschenk wie beabsichtigt wirkt, ist umstritten: Bei einer Umfrage des Wirtschaftssenders CNBC erklärten lediglich 13 Prozent der befragten Firmenchefs, sie würden die Steuereinsparungen nutzen, um mehr Mitarbeiter einzustellen. Nur Trump selbst ist wie immer begeistert von seinem Vorhaben: "Die Steuersenkungsreform wird besser und besser", twitterte er Ende November, das Ergebnis werde "großartig" sein, und zwar "für ALLE".