Am Freitag stehen fußballpolitisch bedeutende Entscheidungen an. Auf einem außerordentlichen Bundestag verhandelt der DFB den Bau der Akademie, die Regionalliga-Reform und die geplante Änderung des Grundlagenvertrags. Seit 2001 regelt dieser das Verhältnis zwischen dem DFB, der die Amateure vertritt, und der DFL, der damals ausgegründeten Abteilung Profifußball.

Auf dem Papier erhält der DFB drei Prozent der TV- und Ticketeinnahmen der Bundesligisten und zahlt im Gegenzug 15 bis 30 Prozent der Nationalmannschaftseinnahmen an die DFL. Nimmt der eine Partner mehr ein, partizipiert der andere. Im Frühjahr räumte der DFB ein, dieses Solidarprinzip sei seit Jahren durch geheime Vereinbarungen außer Kraft gesetzt. Statt einer Beteiligung entrichteten beide Parteien jahrelang Fixkosten, sogenannte Deckel. 26 Millionen Euro zahlte die DFL jährlich an den DFB, 20 Millionen flossen jeweils umgekehrt. Dieses Vorgehen entsprach nicht der DFB-Satzung. Paragraf 18 schreibt vor, Beschlüsse dieser Art seien nur gültig, wenn der gesamte Bundestag in Kenntnis aller Informationen mitbestimmt hat. Die Zusatzvereinbarung soll aber stets nur einem kleinen Zirkel bekannt gewesen sein.

36 Vereine der zwei Bundesligen machten im vorigen Jahr 3,24 Milliarden Euro Umsatz. Der Fußball wächst schneller als die deutsche Wirtschaft, manche Dorfvereine hingegen fühlen sich vom DFB im Stich gelassen. Hält man sich genau an den Text des Grundlagenvertrags, sind in der Konsequenz durch die Zusatzvereinbarung dem Amateurlager zuletzt mindestens zehn Millionen Euro pro Jahr vorenthalten worden.

In Zukunft will der DFB es besser machen. Er stellt den Amateuren jährlich vier Millionen Euro Ausbildungshonorierung bereit, investiert Geld in eine "Digitaloffensive". Auf Anfrage der ZEIT verweist der Verband zudem auf Mehreinnahmen ab der neuen Saison. Damit stellt er heraus, "zum Wohle unserer Basis" zu handeln, denn die müsste er ohne Deckel teilweise an die DFL abtreten. Unerwähnt bleibt, dass die DFL-Einnahmen in absehbarer Zeit in mindestens gleichem Maße steigen dürften, etwa durch die Auslandsvermarktung. Der DFB führt zudem steuerliche Gründe an, um die Deckel zu rechtfertigen. Wenn er im Geschäftsbetrieb ins Minus rutschen würde, schreibt er, stünde sein gemeinnütziger Status infrage.

Reinhard Grindel, seit eineinhalb Jahren DFB-Präsident, hat dieses Erbe von seinen Vorgängern übernommen. Auch er hat auf dem Bundestag im November 2016 in Erfurt die geheimen Klauseln nicht angesprochen. Das hat kritische Presseberichte nach sich gezogen, Unterhachings ehemaliger Präsident Engelbert Kupka hat eine Beschwerde bei der DFB-Ethikkommission eingereicht. Nun handelt Grindel transparent. Der DFB legt die Zusatzvereinbarung, wenn auch nur die jüngste, offen. Am Freitag können die Deligierten fordern, am Original des Grundlagenvertrags festzuhalten und Geldflüsse aus der Vergangenheit zu korrigieren.