Wenn die Winklevoss-Zwillinge und der venezolanische Präsident für die gleiche Sache brennen, dann ist es nicht falsch, ein wenig misstrauisch zu sein. Die Brüder Winklevoss sind Legenden im Silicon Valley: reich geworden damit, dass sie ihren Harvard-Kommilitonen, Facebook-Gründer Mark Zuckerberg, wegen Ideendiebstahls erfolgreich verklagten, und schon zu ihren Studentenzeiten so straight im Anzug unterwegs, dass der damalige Harvard-Präsident Larry Summers sie als "Aufschneider" und "Arschlöcher" identifizierte. Der venezolanische Präsident Nicolás Maduro auf der anderen Seite hat sein Land bis dicht an die Staatspleite geführt: Die Wirtschaft ist kollabiert, die Währung völlig aus der Fassung geraten, die Inflationsrate könnte 2017 bei 2000 Prozent liegen.

Diese Männer verbindet neben ihrer charakterlichen Auffälligkeit eine Sache: ihr Glaube an Kryptowährungen – eine Art virtuelles Geld, das auf Computern entsteht und zwischen Computern hin- und hergeschickt werden kann.

Der venezolanische Präsident hat in seiner Fernsehshow am vergangenen Wochenende angekündigt, eine solche Währung in seinem Land einzuführen. Die Details sind unklar, der Name steht aber schon: "Petro". Die Winklevoss-Zwillinge hingegen haben früh in die bekannteste existierende Kryptowährung investiert: Bitcoin. Und deren irrer Kursanstieg hat sie jüngst wohl zu Milliardären gemacht.

Das sind nur die extremsten Beispiele für eine Bewegung, die längst mehr Leute erfasst hat als nur irre Staatschefs oder Investoren im Silicon Valley. Wer heute in Manhattan ins Café geht, der sollte nicht überrascht sein, wenn der Kaffeebrüher schon in Bitcoin investiert ist – oder zumindest darüber nachdenkt. Und wer auf der amerikanischen Website der Suchmaschine Google "buy" eintippt, findet "Bitcoin" oft an zweiter oder dritter Stelle.

In Amerika sind längst ganz normale Leute dabei. Zum Beispiel Diana Llyn, eine pensionierte Unternehmerin aus Seattle. Nachdem sie ihre Schädlingsbekämpfungsfirma verkauft hatte, steckte sie einen Teil des Erlöses in virtuelle Währungen. Im Frühjahr hat sie ihre ersten Bitcoins gekauft. Damals war ein Bitcoin 2300 Dollar wert. Mittlerweile hat sich der Wert verfünffacht, die 66-Jährige hat gut verdient. Verkaufen will sie erst mal nichts. Sie sieht die Investition als etwas, das sie ihren Kindern und Enkeln hinterlässt.

Die plötzlich so breite Begeisterung für die neue Anlageform hat einen simplen Grund: die Kursentwicklung von Bitcoin, der Mutter aller Kryptowährungen. 2008 von einem Unbekannten in Asien erfunden, hat sich der Wert eines Bitcoins seit Anfang des Jahres verzehnfacht. Wer im Januar für 1000 Euro einen Bitcoin gekauft hat, der kann ihn nun für fast 10.000 Euro verkaufen. In den vergangenen fünf Jahren hat der Bitcoin sogar mehr als 9000 Prozent an Wert gewonnen. Märchenhafte Zeiten, die massenhaft plötzliche Millionäre produziert haben und Geschichten liefern wie die von dem unglücklichen Mann aus Wales, der seinen kaputten Laptop wegwarf – und damit aus Versehen Bitcoins, die darauf gelagert waren und die heute über 80 Millionen Dollar wert wären.

Angesichts dieser goldfieberartigen Zeiten ist es kein Wunder, dass ständig neue Kryptowährungen mit den irrsten Konzepten auf den Markt kommen. Der Grund dafür, dass nun alle dabei sein wollen, ist der extreme Kursanstieg. Und der Grund für den extremen Kursanstieg ist, dass nun alle dabei sein wollen.