Alfred Dorfer © Peter Rigaud

Die parlamentarischen Neuankömmlinge von der Liste Pilz haben einen interessanten Vorschlag gemacht. Sie möchten eine zusätzliche Minusstimme einführen, mit der man eine Partei abwählen kann. Mit dieser Du-sicher-nicht-Stimme könnte die Wählerschaft klar ausdrücken, wen sie nicht im Parlament haben will. Zusätzlich scheint den Wahlrechtsreformern auch vorstellbar, ähnlich wie beim Song Contest, Stimmen splitten zu können, und zwar nach Prozentanteilen. Das ist gerade für die Liste Pilz ohne Pilz ein adäquater Vorschlag. Der Listengründer sitzt ja, nach Angaben von Parteikollegen, auf der Strafbank. Ob er dort während des gesamten Matches verweilen wird, ist noch unklar. Vielleicht lässt sich deshalb die Idee des Multivoting vertiefen, und man hat künftig die Möglichkeit, eine Partei ohne ihren Spitzenkandidaten zu wählen. Also Volkspartei ja, aber sicher nicht mit ihrem Wunderknaben. Das wäre bei der Auszählung bestimmt ein zusätzlicher Unterhaltungsfaktor. Oder den freiheitlichen Parteichef ja, aber nicht als Innenminister. Fragt sich nur, wie viele Minusstimmen ausreichen, eine Person von der Politik fernzuhalten. Oder: Streng mathematisch gesehen, ergibt ja minus mal minus plus. Das hieße, wer eine gerade Anzahl an Minusstimmen auf sich vereinen kann, bleibt dabei, bei einer ungeraden muss er eine Wahl aussetzen. Richtig demokratisch wird es aber erst, wenn sich Politiker ihr Volk wählen können. Im Fall der Schwarzen hieße das: Österreich ja, aber ohne größere Städte. Oder bei den Roten: Wien, Burgenland und Kärnten ja, der Rest ist Schweigen. Natürlich ließe sich das noch verfeinern, indem man einzelne Bevölkerungsgruppen abwählen kann. So lange, bis das Ergebnis endlich passt. Direkter kann Demokratie nicht sein.