Unabhängigkeit und Transparenz sind unabdingbar für gute Wissenschaft. Forscher sollen nicht nur Daten publizieren, sondern auch mögliche Interessenskonflikte ... Nein, es geht nicht um Glyphosat. Diese Woche steht ein neues Gentechnikverfahren im Kreuzfeuer: Gene Drive.

So ein "genetischer Antrieb" ist ein tiefer Eingriff ins Erbgut von Lebewesen. Dabei lassen sich durch präzise Schnitte am Genom nicht nur bestimmte Eigenschaften entfernen oder hinzufügen. Die veränderten Organismen vererben diese Manipulationen auch weiter.

Was für ein machtvolles Werkzeug!, jubeln Förderer der Methode. Die Bill-&-Melinda-Gates-Stiftung etwa finanziert die Erforschung der Technik im Kampf gegen Malaria. Konkret sollen Gene Drives die Überträgermücke der Krankheit unfruchtbar machen, sodass die Spezies ausstirbt. Auch Zika oder Pflanzenschädlinge wollen Forscher besiegen. Oder Arten, die andere zu verdrängen drohen.

Ökologen hingegen fragen: Sind wir Zauberlehrlinge nicht schon mit weit geringeren Eingriffen in die Natur dabei, dieselbe zu ruinieren? Stichwort Insektensterben. Jetzt wollen wir sogar die Evolution steuern, indem wir direkt in die Vererbungsmuster eingreifen? Eine Arbeitsgruppe der UN-Konvention zum Schutz der Artenvielfalt (CBD) soll deshalb Regeln für den Umgang mit der brisanten Technologie erarbeiten. Seit dem 5. Dezember tagen die Experten dazu in Montreal – vermutlich angespannt. Denn am Montag veröffentlichte die Nichtregierungsorganisation ETC-Group brisante E-Mails.

Danach habe ein Netzwerk von Befürwortern versucht, die zuvor online geführte Gene-Drive-Konsultation der CBD massiv zu beeinflussen. Um etwa Regulierungsvorschläge abzuschwächen, rekrutierte eine PR-Firma wissenschaftliche Zulieferer und signalisierte ihnen, wann sie in die laufende Debatte eingreifen sollten. Finanziert wurde die Aktion von – der Bill-&-Melinda-Gates-Stiftung.

Man habe gewährleisten wollen, dass alle Experten gehört würden, hieß es bei der Stiftung. Natürlich ist es legitim, Interessenkoalitionen zu gründen; auch Umweltschützer sprechen sich untereinander ab. Aber sie haben nicht wie die Stiftung 75 Millionen Dollar in die Forschung von Gene Drives zur Malaria-Bekämpfung investiert, die sich irgendwann in Produktform, etwa genmanipulierter Stechmücken, lohnen sollen.

Die jetzt veröffentlichten Dokumente zeigen einen weiteren Grund, warum die offenen Diskussionen auf UN-Ebene so wichtig sind: Auch die Forschungsbehörde des US-Verteidigungsministeriums investiert 100 Millionen Dollar in die Technologie. Schließlich kann man Gene Drives auch nutzen, um Biowaffen herzustellen oder abzuwehren.

Über diese dunkle Seite der Technik reden die Malaria-Retter ungern. Aber auch ihretwegen muss die UN-Konvention verhindern, dass ihre Glaubwürdigkeit bei diesem heiklen Thema von Meinungsmachern untergraben wird.