Die Abendmahlsszene ist nicht eindeutig, was die Rolle von Männern betrifft

Mit zwölf Männern hat Jesus vor seinem Tod Abendmahl gefeiert. So steht es an gleich vier Stellen im Neuen Testament. Die römisch-katholische Kirche schließt daraus, dass Jesus nur Männer damit beauftragen wollte, Priester zu werden und Brot und Wein auszuteilen. Seit Jahrhunderten geht sie davon aus, dass es der Wille Gottes ist, Frauen von Leitungsämtern auszuschließen.

Dabei ist die Abendmahlsszene gar nicht so eindeutig! Die meisten Forscher sind überzeugt, dass der Zwölferkreis ein Wink an Israel war. Zwölf Männer: einer für jeden der Stämme Israels. Zu ihnen wurde Jesus gesandt, Jesus, der Jude. Zukunftsabsichten für die Kirche hatte Jesus dabei eher nicht – er dachte in dieser Stunde wohl kaum an die Rolle von Männern in seiner Nachfolge.

Dass er Männer versammelte, war kein Zufall, es war typisch für seine Zeit. Heute geht es darum, die Bibel auszulegen. Was war Jesus wichtig? Die Bibel ist die Grundlage der römisch-katholischen Tradition. Ohne sie haben wir keine Kenntnis, wie Gott sich offenbaren wollte. Darin ist sie zeitlos.

Aber das Abendmahl ist nicht die einzige Stelle in der Bibel, in der es um Verantwortung geht. Paulus richtet sich zum Beispiel in seinen Briefen an Menschen, die in den frühen Gemeinden etwas zu sagen hatten. Und da sind ungewöhnlich viele Frauennamen dabei. Wichtig ist also vor allem, dass Männer und Frauen zur Verkündigung des Evangeliums beitragen.

Das ist unsere gemeinsame Aufgabe: die Verkündigung der erlösenden Botschaft von Ostern. Die Frage sollte also nicht sein: Wer hat das richtige Geschlecht? Sondern: Wer kann die Menschen am besten ansprechen und den Glauben stärken?

Dorothea Sattler leitet das Ökumenische Institut der Katholisch-Theologischen Fakultät an der Universität Münster.

Das Pfarrhaus muss Vorbild für Emanzipation sein

Kann eine Frau Pfarrerin werden? Natürlich, würden die meisten Protestanten in Deutschland sagen – und das ist schön! Doch wer genauer hinschaut, sieht: Nur jede dritte Stelle ist mit einer Frau besetzt, häufig in Teilzeit. Sobald sie Kinder haben, übernehmen Pfarrerinnen den Großteil der Familienarbeit, entwickeln keinen weiteren beruflichen Ehrgeiz und überlassen den Männern die höheren Ämter als Bischöfe oder Superintendenten. Das ist bei ihnen nicht anders als bei Frauen in anderen Berufen – und es hat keine theologischen Gründe, sondern gesellschaftliche. In Deutschland wird Familienarbeit in der Regel klassisch aufgeteilt: Männer arbeiten voll weiter, während Frauen ihre berufliche Verantwortung reduzieren, um die Kinder zu Hause zu betreuen. Das Pfarrhaus weiß um die Probleme – und tut sich doch schwer damit, emanzipatorisches Vorbild zu sein. Das zeigt, wie zäh der Wandel ist. Aber wir können auch nicht dort allein die Lösung suchen, dann würde der gesamte Druck auf den Pfarrerinnen lasten. Gemeinden, auch Pfarrhäuser, sollten sich dafür stark machen, dass man Kinder guten Gewissens von Menschen außerhalb der Familie erziehen lassen darf.

Die Männer und Frauen der Kirche müssen noch sensibler werden für einen anderen, weiblichen Stil des Kommunizierens: Nur so schaffen sie den Wandel von einer männerdominierten Kirche zu einer geschlechtergerechten Kirche. Wir brauchen eine Kirche, die die spezifischen Probleme von Männern und Frauen wahrnimmt und zu lösen versucht. Und die anerkennt, dass Menschen ganz unterschiedliche Fähigkeiten haben – unabhängig von ihrem Geschlecht.

Ulrike Link-Wieczorek ist Professorin für Systematische Theologie an der Universität Oldenburg.

Kirchliche Ämter sind veränderbar

Im Moment können nur Protestanten und Anglikaner Frauen ordinieren, Orthodoxe und Katholiken nicht. Volle Ökumene ist dadurch nicht möglich. Wem sie wichtig ist, der muss die Frauenfrage stellen.

Das ist nicht einfach, weil jede Kirche ihr eigenes Ämterverständnis hat. Aber als Christinnen und Christen sind wir stark, wenn wir das Gemeinsame betonen: Wir alle wollen die biblische Versöhnungsbotschaft wachhalten.

Papst Franziskus nimmt wahr, dass die Einbindung von Frauen in kirchliche Entscheidungen sehr schwach ist. Seit 2016 lässt er deshalb untersuchen, wie ein Frauendiakonat in der frühen Kirche aussah. Diakoninnen wurden damals durch Gebete und Handauflegung ordiniert. Sie waren im Gottesdienst und in der Gemeinde an der Seite von Frauen tätig, besuchten Arme und Kranke und halfen Fremden und Flüchtlingen.

In den sechziger Jahren richtete die Kirche das Amt eines "Ständigen Diakons" neu ein – allerdings nur für Männer. Dadurch wurde der diakonische Dienst in der Gemeinde aufgewertet. Vor allem aber hat das gezeigt: Ämter sind nicht festgeschrieben, sie entwickeln sich. Daran lässt sich bei der Frage nach kirchlichen Ämtern für Frauen anknüpfen: Stellen Sie sich eine Frau vor, die einen Caritasverband leitet oder Entwicklungsarbeit macht oder Sozialarbeiterin ist. Wenn sie kompetent und gut ausgebildet ist, sich außerdem berufen fühlt, ihre Erfahrung einzubringen: Bitte schön! Das ist doch Ihre Diakonin!

Margit Eckholt ist Professorin für katholische Dogmatik und Fundamentaltheologie an der Universität Osnabrück.

Frauen haben die Kirche schon immer mitgestaltet

Als ich 1991 mein Studium mit einer Dissertation abgeschlossen hatte, wurde ich in meiner evangelisch-freikirchlichen Gemeinde lediglich als Theologische Mitarbeiterin ordiniert – und nicht als Pastorin. Frauen brauchten kein Vikariat, und oft wurden sie nur in den Bereichen Kinder und Jugend eingesetzt. Also habe ich gemeinsam mit Kolleginnen Vorträge gehalten, rauf und runter, habe immer wieder gefordert, Frauen als Pastorinnen zu berufen.

Schließlich stimmte meine Kirche zu und berief mich als eine der ersten Frauen ins Pfarramt. Deshalb ist mir dieses Thema so wichtig. Weil es für mich ein persönliches ist.

Protestanten sollten vorsichtig sein, die Katholiken als rückwärtsgewandt zu bezeichnen – sie selbst haben Frauen lange diskriminiert. Die erste Frauenordination in Deutschland fand 1943 statt. Und selbst als die ersten Landeskirchen Frauen ordinierten, waren sie den Männern nicht gleichgestellt. Vikarinnen mussten zum Beispiel zölibatär leben.

Trotzdem gab es in jeder Epoche Frauen, die ihre zugewiesene Rolle transzendierten. Die feministische Theologie hat sie sogar schon in biblischer Zeit entdeckt: Jesus hatte Jüngerinnen, der Apostel Paulus Mitarbeiterinnen. Im Mittelalter dann feierte man Mystikerinnen, und die Reformation wäre ohne Frauen gescheitert. Gerade in Zeiten religiöser Neuorientierung haben sie die Kirche geprägt.

Wer heute nicht dafür ist, dass Frauen die gleichen Rechte auf alle Ämter in der Kirche haben, riskiert die geistliche Kraft der Kirche. Das muss er vor Gott verantworten.

Andrea Strübind ist baptistische Pastorin und Professorin für Kirchengeschichte an der Universität Oldenburg.

Die vier Theologinnen haben gemeinsam den Ämterkongress in Osnabrück initiiert.

Aufgezeichnet von Sarah Schaschek