Ab 3 Jahren: Ein Bilderbuch über die Macht der Beharrlichkeit

Wenn auf einmal alles anders werden soll, wenn der Umzugswagen bestellt ist und ganz und gar nicht einzusehen ist, warum, dann ist es Zeit für Trecker kommt mit von Finn-Ole Heinrich und Dita Zipfel, dieses eigenwillige, trotzig poetische Kraftpaket von einem Bilderbuch.

Eigenwillig ist es von der ersten Seite an. Weder hat der Held oder die Heldin einen Namen, noch sehen wir auf den leuchtenden Bildern von Halina Kirschner jemals ein Gesicht. Mal steckt der Kopf im Karton, mal zottelt irgendwo ein Haarschopf hervor. Dieses Buch erzählt auch keine Geschichte. Es gibt nur ein Ich, das ein Kind ist, und ein Erwachsenen-Du, und das Ich spricht zum Du, schwingt sich auf zu einer großen Rede, die Mal um Mal in den Worten gipfelt: "Trecker kommt mit!"

Denn Trecker kann so vieles. Wenn man es recht überlegt, kann er eigentlich alles: "Draußen spielen? Ok, wir fahren in den Wald. Wald weit weg? Er schiebt ihn näher ran. Kein See in Sicht? Trecker hebt dir einen aus. Wetter schlecht? Picknick unterm Trecker." Trecker stemmt Elefanten, wirft Lasso und kann Kopfstand. Trecker macht die Welt groß, wenn sie groß sein soll, und klein, wenn es Sicherheit braucht. Und Trecker selbst? "Braucht ungefähr nichts. Ein bisschen Öl, Diesel und mich." Aber in der Stadt, da ist kein Platz für Trecker. Sagt das Du. Und Ich so: "Da muss ich lachen, echt jetzt, ha ha ha."

Man stelle sich vor, Finn-Ole Heinrich und Dita Zipfel, die in Südfrankreich Tür an Tür mit einem Trecker namens Rollbert leben, hätten stattdessen einen Apfelbaum gewählt oder ein Pferd. Doch alles Süße ist ihnen fremd. In seiner Maulina- Trilogie konnte man Heinrichs harten, warmen Erzählton auf langer Strecke hören. Hier ist alles kurz und knapp. Apfelbaum und Pferd, Freiheit und Wildnis – steckt alles drin in Trecker, dieser unsentimentalen Weltverzauberungsmaschine.

Erwachsene Leser kann das Buch fast wehmütig stimmen. Hat nicht jeder, habe nicht auch ich und hast nicht auch du einst irgendwo deinen Trecker stehen lassen? Erwachsenen Vorlesern fährt es unterdessen mit der Treckerschaufel vor Augen, dass sie nicht jeden Streit gewinnen können, nur weil sie die Macht haben, zu sagen: "Am Wochenende kommt der Umzugswagen."

Denn dieses Buch erzählt nicht nur keine Geschichte, es löst auch den Konflikt nicht auf, mit dem es beginnt. Am Ende hat sich das Ich zum Du emporgeredet, auf "Augenhöhe", wie es so heißt. Und dann? Die Rede ist geschwungen. Alles ist gesagt. "Trecker kommt mit!" Nun muss man sehen, was man damit macht.
Christian Staas

Finn-Ole Heinrich/Dita Zipfel/ Halina Kirschner (Ill.): Trecker kommt mit.
Mairisch Verlag 2017; 32 S., 15,– €;