Musik gehört zu den schönsten Dingen der Welt, weil sie die Menschen verbindet und dir zeigen kann, dass du nicht allein bist. Ganz egal, wie du dich gerade fühlst, ob fröhlich, wütend, traurig oder aufgeregt, es gibt immer ein passendes Lied dazu. Und wenn nicht, dann schreibst du es eben selbst.

Das ist eigentlich gar nicht so schwer. Es gibt kein bestimmtes Rezept, an das du dich halten musst, du kannst das Rezept selbst zusammenstellen. Pauli, Lukas und ich gehen meistens ganz durcheinander und total chaotisch vor. Funktioniert trotzdem.

Wenn wir uns überlegt haben, worum es in einem Lied gehen soll, sammle ich dazu erst mal viele einzelne Zeilen. Die muss ich mir natürlich ausdenken, und dafür brauch ich ein bisschen Zeit und Ruhe. Manchmal texte ich aber auch im Supermarkt, wenn ich an der Kasse stehe. Du kannst dir überall, wo du gerade bist und etwas Zeit hast, Texte überlegen.

Für unser Lied Keine Märchen musste ich zum Beispiel nur darüber nachdenken, welche Märchen mir als Kind Angst gemacht haben. Das Lied sollte ein bisschen gruselig, aber irgendwie auch lustig werden. Was mir zu einem Thema einfällt, sammle ich Stück für Stück zusammen und schreibe es auf. Wenn ich dann noch einen Witz darüber mache und aufschreibe, kann es plötzlich lustig werden. Reime kann ich später noch daraus basteln.

Stell dir den Liedtext zuerst wie ein leeres Blatt Papier vor, das von dir bemalt wird, nur eben mit Wörtern. Welche Stellen in Märchen oder Geschichten fallen dir ein, die du nicht so gern magst?

Bei mir war es zum Beispiel Aschenputtel. Ich hab nie gecheckt, wieso sich ihre blöden eifersüchtigen Schwestern die Hacke abschneiden, nur um an den Prinzen ranzukommen. Das ist doch bescheuert! Ein wenig hat mich diese Situation auch an eine furchtbare Fernsehsendung für Erwachsene erinnert, nämlich Der Bachelor. Da geht’s um einen Haufen Frauen, die sich gegenseitig erniedrigen und ein bisschen dumm sind (Aschenputtels Schwestern), und um einen Typen mit schöner Frisur (der Prinz), der die Frauen um sich kämpfen lässt, bis nur noch eine einzige übrig bleibt. Mit der ist er dann für fünf Wochen zusammen, und dann trennen sie sich wieder.

Über all das hab ich für den Song nachgedacht und dann ein bisschen rumgereimt (wenn dir keine eigenen Reime einfallen, kannst du in Reimbücher oder ins Internet schauen). Am Ende bin ich gelandet bei: "Warum ich etwas gegen Aschenputtels dumme Schwester hab? Sie schneidet sich die eigene Hacke mit einem Messer ab! Nur für einen Prinz, schlimmer als beim Bachelor, doch die abgestumpfte Jugend schieben sie auf Rapper."

So einen Reim zu machen geht natürlich nicht von jetzt auf gleich. Manchmal muss ich Wörter tauschen oder den Satz doch noch mal anders beginnen. Hier lohnt es sich, geduldig zu sein und erst mal ein bisschen zu experimentieren. Mit Lukas und Pauli haben wir bei Keine Märchen später im Studio noch das Geräusch einer sägenden Säge über die Stelle mit den abgeschnittenen Hacken gelegt. So was finden wir lustig.

Aber egal, ob verrückt, normal, laut, leise, lieb oder böse: Das Wichtigste ist, dass du über etwas schreibst, was du kennst. Etwas, zu dem du einen echten Bezug hast. Wenn du einen lustigen Text schreiben möchtest, dann denk darüber nach, was du wirklich witzig findest. Nicht, was andere lustig finden. Das macht deinen Text am Ende zu etwas ganz Eigenem. Und trotzdem wirst du immer auch Menschen treffen, die sagen: "Krass, das ist bei mir ganz genauso!"

Stell dir beim Schreiben selber Fragen. Was hat dir mal bei einem Märchen nicht gefallen? Und warum nicht? Was fandest du zu brutal oder einfach nur dumm oder lustig? Findest du einen Reim dazu? Und dann wieder von vorne. Was fällt dir noch ein? Und findest du auch darauf einen passenden Reim?

Wenn du auf diese Art über Dinge aus deinem Leben schreibst, die dich beschäftigen, wirst du sehen, wie viel Spaß das bringen kann. Außerdem entdeckt man dadurch manchmal ganz neue Gedanken oder Gefühle. Irgendwie lernt man sich beim Texten selbst ein bisschen besser kennen. Das ist spannend – aber in erster Linie bringt es einfach tierisch viel Spaß. Ich jedenfalls wollte die letzten sieben Jahre nicht einen Tag lang lieber etwas anderes machen.