In aller Kürze: Die amerikanische Außenpolitik schaltet gerade von erratisch auf aggressiv. Davon fühlt sich der junge saudische Kronprinz Mohammed bin Salman ermutigt, der immer härter in die Konfrontation mit dem saudischen Erzgegner Iran geht. Der Kronprinz verbündet sich dabei ausgerechnet mit dem durch Korruptionsskandale angeschlagenen israelischen Premierminister Netanjahu, der den Iran lange schon in die Nähe des NS-Regimes rückt. Auf der anderen Seite gewinnen in der iranischen Führung gerade die Hardliner der Revolutionsgarden an Einfluss, die sich nach dem Sieg in Syrien historisch im Recht sehen.

Iran und Saudi-Arabien sind die beiden wichtigsten Konkurrenten der Region. Beide begannen Ende der 1970er, Anfang der 1980er Jahre, ihre religiösen Ideologien zu exportieren: die Saudis ihren Wahhabismus; die Iraner nach dem Sturz des Schahs ihre schiitischen Revolution.

Obwohl beide Seiten den religiösen Extremismus mit politischem Kalkül in die Welt trugen, gibt es einen großen Unterschied: das prowestliche saudische Königshaus tat dies vor allem, um die radikalen Gläubigen daheim ruhigzustellen, während der Iran die religiöse Sozialrevolution predigte, um seine Macht in der Region auszubauen. Derzeit sieht es so aus, als sei die iranische Strategie erfolgreicher. Aus dem saudischen Ideen-Export ging die Terrororganisation Al-Kaida hervor, die sich auch gegen Saudi-Arabien selbst wendete. Aus dem iranischen Revolutionsexport entstand Hisbollah, die sich mittlerweile im Libanon als Staat im Staate etabliert hat. Von westlichen Staaten teil als Terrororganisation eingestuft, ist sie eben auch eine straffe soziale Bewegung mit politischem Programm. Und vor allem steht sie immer loyal zum Geldgeber in Teheran – ein formidables Instrument iranischer Großmachtpolitik.

Auch vom amerikanischen Irakkrieg hat letztlich vor allem der Iran profitiert. Nach dem Modell der libanesischen Hisbollah hat der Iran im Irak seit 2014 schiitisch dominierte Milizen aufgebaut, zunächst für den Krieg gegen den IS. Mittlerweile sind sie mit 120.000 Soldaten als eigenständige Truppen in den nationalen Sicherheitsapparat des Iraks integriert. Die drei größten und mächtigsten Einheiten unterstehen den iranischen Revolutionsgarden.

Im Jemen, dem südlichen Nachbarn Saudi-Arabiens, versucht der Iran möglicherweise gerade, eine weitere Stellvertreterarmee aufzubauen. So jedenfalls sieht es das saudische Herrscherhaus. Es geht um die proiranischen Huthi-Rebellen, die gemeinsam mit dem 2012 abgesetzten korrupten Langzeitdiktator Ali Abdullah Salih um die Macht in der Hauptstadt Sanaa kämpfen – was die Saudis zu verhindern suchen. Riad startete mit Unterstützung mehrerer arabischer Staaten im März 2015 Bomben- und Raketenangriffe von Schiffen und Flugzeugen aus gegen die Rebellen.

Der Krieg hat aus dem Jemen ein verwüstetes Land gemacht, in dem laut UN-Schätzungen drei Viertel der 28 Millionen Einwohner humanitäre Hilfe brauchen. Als der Alt-Machthaber Salih jetzt Saudi-Arabien Gespräche anbot, erschossen Huthi-Kämpfer ihn.

Dutzende Male haben die Huthi bereits Raketen auf Saudi-Arabien abgefeuert, eine der letzten hatte angeblich den internationalen Flughafen von Riad zum Ziel. Der saudische Außenminister beschuldigte den Iran, den Huthi diese Raketen geliefert zu haben. Kronprinz Mohammed bin Salman ergänzte, der Angriff komme einem "kriegerischen Akt" gleich. Rhetorisch bremst er damit nur Millimeter vor einer Kriegserklärung an den Iran ab.

Gleichzeitig schließt der Prinz eine neue Allianz – ausgerechnet mit Israel. Die beiden unwahrscheinlichen Verbündeten treibt nicht innige Freundschaft zueinander, sondern parallele Interessen. Sie haben gerade das gleiche Problem mit dem Iran: Er baut an den Grenzen beider Länder Vasallen-Streitkräfte auf, die Huthi hier, die Hisbollah dort.

Unterstützt wird diese neue Achse Riad-Tel Aviv von den USA, genauer: von Donald Trumps Schwiegersohn und Mittelost-Manager Jared Kushner. Er hat laut verschiedener Berichte eine enge Freundschaft zu dem etwa gleichaltrigen saudischen Kronprinzen aufgebaut.