DIE ZEIT: Die Öffentlich-Rechtlichen stehen unter großem Druck, und die Verantwortlichen ducken sich weg. Warum sind sie so scheu?

Thomas Bellut: Ich bin doch hier!

ZEIT: Das freut uns. Ist das öffentlich-rechtliche Fernsehen wirklich existenziell bedroht?

Bellut: Die Lage ist ziemlich schwierig, wie schon seit vielen Jahren. Nicht nur in Deutschland, in ganz Europa. Seitdem ich denken kann, befinden wir uns in Legitimationsdiskussionen.

ZEIT: Die Sender gelten als notorisch unbeliebt.

Bellut: Das stimmt nicht. Auch wenn das Liebeslevel gefühlt höher sein könnte.

ZEIT: Sie zwingen den Zuschauer, Rundfunkgebühren zu zahlen, mehr als sieben Milliarden Euro pro Jahr. Wie soll er Sie da lieben?

Bellut: Er sieht uns dadurch kritischer. Deshalb verbringe ich doch rund 30 Prozent meiner Arbeitszeit damit, das Programm des ZDF in Anhörungen, Podiumsdiskussionen oder Gesprächen in Gremien zu verteidigen. So viel zu Ihrem Vorwurf, wir würden uns wegducken.

ZEIT: Ihr Intendanten-Kollege Stefan Raue vom Deutschlandradio spricht von einem heftigen Klimawechsel, in dem sich die Sender befänden und der sie noch lange begleiten werde.

Bellut: Vielleicht bin ich den Sturm einfach schon gewohnt und abgehärtet. In Deutschland hat die Flüchtlingskrise die politische Atmosphäre verändert. Mit der AfD ist erstmals eine Partei in mehreren Landesparlamenten vertreten, die das öffentlich-rechtliche System ablehnt. Das wirkt sich natürlich auf die Diskussionsatmosphäre aus.

ZEIT: Sie stecken in einer Glaubwürdigkeitskrise.

Bellut: Wir führen eine Diskussion.

ZEIT: Die ARD und das ZDF müssen sich mit dem Vorwurf auseinandersetzen, das Öffentlich-Rechtliche berichte abseits der Wirklichkeit. Das trifft jedes Medium ins Herz.

Bellut: Das tut weh, weil es nicht stimmt. Auf dem Höhepunkt der Flüchtlingskrise gab es diese Vorwürfe vermehrt. Die Auseinandersetzung ist wichtig, sie hinterlässt beim Publikum Wirkung.