Wie gut, dass Frau Schöneberger mit Vorname Barbara heißt und nicht Ilse, Dagmar oder Chantal. Eine Matinée, die mit Ilse, Dagmar oder Chantal betitelt wäre, hätte es zweifelsohne schwer, von einem Magazin ganz zu schweigen. Aber Barbara: Das hat Sound. Das ist schon phonetisch ein Erfolg. Das fließt, da geht man gern hin.

Leserinnen fragen, Barbara antwortet – mit diesem Versprechen wurden Leserinnen am vergangenen Freitag ins Verlagsfoyer von Gruner + Jahr gelockt. Versprochen waren Einblicke in die redaktionellen Abläufe des Blatts, dem die Schöneberger seit mehr als zwei Jahren ihren guten Namen leiht, mithin "kein normales Frauenmagazin", also ohne Diätratgeber, Horoskop und Anti-Aging-Tutorials.

Als Journalist ist man vor allem gekommen, um mehr zu erfahren über die Zielgruppe – die, Auszug Leseranalyse, gut situiert, gebildet und berufstätig ist, also "selbstbewusste Frauen zwischen 30 und 55, die ihr wunderbar unperfektes Leben selbstironisch betrachten". Wie sind die so?

Die sind erst mal ganz schön aufgeregt. Das ist natürlich charmant. Und dagegen hilft der Sekt, der selbstbewusst schon um halb zehn morgens ausgeschenkt wird. Dazu gibt es ein paar hingekicherte Selfies vor der wunderbaren Barbara-Wand und Dialoge wie der hier: "Süße, bist du gleich beim Pilates?" – "Nee, heute Crossfit, danach dekoriere ich unseren Weihnachtskranz."

Man trägt die Michael-Kors-Clutches bäuchlings offensiv, man sagt "Stößchen!", manchmal sogar "chin-chin", man wartet.

Dann kommt Schöneberger endlich, für alle hier nur und für einen selbst darum auch: "die Barbara". Hallöchen, Hallöchen! Sie habe, sagt die Barbara, unbedingt mal wissen wollen, wer sie eigentlich lese. Sie lacht in die Menge, in die Wolke aus parfümierter Begeisterung. Das berühmte Barbara-Schöneberger-Lachen. Und die berühmte Barbara-Schöneberger-Heiserkeit, die klingt, als würde sie jede Nacht den Echo moderieren. Es leuchtet absolut ein, dass sich mit dieser Frau viele Hefte verkaufen lassen. Denn mit Barbara Schöneberger verhält es sich ja so: Selbst wer sie nicht gut findet, findet sie nicht schlecht.

Ob das auch für die anderen Prominenten gilt, die schon eigene Hefte haben oder bald bekommen? Lafer kocht sich durch seine Seiten, Daniela Katzenberger gibt Schmink- und Shoppingtipps. Joko Winterscheid steht mit Joko in den Startlöchern, Hirschhausen ebenso. Die sogenannte Presenter-Printbranche boomt, aber angefangen hat das mit der Barbara, die wiederum, das stellt sie jetzt mal klar, nicht bei US-Talkerin Oprah Winfrey abguckt, sondern bei Linda de Mol in den Niederlanden.

Die Fragen bewegen sich dann eher im gefühlsechten, kulturkritisch durchweg lässigen Bereich. Ob die Barbara Smoothies mag, will eine Leserin wissen (Antwort: Die Barbara hat sogar einen Entsafter zu Hause). Ob sie alle Texte im Magazin vorgelegt bekomme (Antwort: Ja, aber "das allermeiste ist schon so toll, das kann ich nur noch absegnen").

Wenn man annimmt, dass viele Leserinnen gern wären wie die Barbara und das, was die hier so ausplaudert, entsprechend Vorbildcharakter haben kann, wird es in den letzten Minuten, auf die letzten Sektperlen noch ziemlich interessant. Da erklärt Barbara Schöneberger sich selbst, man erfährt: Barbara hat nie schlechte Laune. Barbara schreibt auf dem iPad, weil sie ihren Laptop nicht mehr findet. Barbara hat nun einen Hausausweis bei Gruner + Jahr. Barbara geht in die Kantine. Barbara bastelt. Barbara hält ihre Deadlines nicht ein. Barbara trifft auch mal falsche Entscheidungen, hadert damit aber nicht. Barbara kann nicht ewig im Sexykleid moderieren.

Und Barbara will nicht immer so wahnsinnig nett zu ihren Leserinnen sein. Das sagt sie aber in total nettem Singsang.