Die Deutsche Bank ist in den Schlagzeilen – wieder einmal. Es geht um ihren wohl berühmtesten Kunden: den amerikanischen Präsidenten Donald Trump. Weil dessen Wahlkampfteam möglicherweise Verbindungen zum Kreml hatte, hat das US-Justizministerium bereits im Mai den Sonderermittler Robert Mueller auf Trump angesetzt. Und nun ist offenbar auch dessen Hausbank dran: Im Zuge seiner Ermittlungen hat Mueller die Deutsche Bank wohl aufgefordert, Dokumente über Trumps Geschäftsbeziehungen herauszugeben. Das Frankfurter Kreditinstitut will das zwar weder dementieren noch bestätigen. Eine Sprecherin der New Yorker Niederlassung sagte aber, die Bank nehme "ihre rechtlichen Verpflichtungen ernst und kooperiere weiterhin voll mit den autorisierten Ermittlungen in dieser Sache".

Dass ausgerechnet die Frankfurter zu den Haus- und Hoffinanziers des New Yorker Immobilienmoguls wurden, mag überraschen – es ist aber kein Zufall. Es ist eher so wie bei einem Abschlussball. Da gibt es immer ein, zwei Jungs und Mädchen, die niemanden finden, der mit ihnen dorthin geht. Sie kommen also allein. Trotzig und ein bisschen traurig. Doch im Verlaufe des Abends geschieht manchmal Wundersames mit den Einsamen: Sie finden zusammen. Die Streberin findet Gefallen am Freak, die Punkerin am Computer-Nerd.

So ähnlich war es bei der Deutschen Bank und Donald Trump. Die Beziehung zwischen Trump und der Bank reicht Jahrzehnte zurück. Sie begann zu einem Zeitpunkt, als beide vom Club der großen Wall-Street-Banken ausgeschlossen waren. Es waren die neunziger Jahre – die Börsenkurse stiegen raketenhaft, Finanzingenieure tüftelten esoterische Derivate aus, Computer beschleunigten den Handel. Die amerikanischen Banken suchten weltweit nach neuen Märkten. Bald bedrängten Institute wie Goldman Sachs, JP Morgan und Morgan Stanley die Frankfurter in ihrem Heimatmarkt.

Unter der Führung von Hilmar Kopper begann die Deutsche Bank, ihren Rivalen nachzueifern. 1999 übernahm sie für zehn Milliarden Dollar die angeschlagene amerikanische Bank Bankers Trust. Für die Frankfurter war es der Versuch, die Wall-Street-Rivalen im heimischen Revier anzugreifen. Für Bankers Trust war es die Rettung in letzter Sekunde. Das Traditionshaus, einst ein renommierter Vermögensverwalter, war aggressiv ins Investmentbanking und den neuen Derivatehandel eingestiegen. Doch namhafte Kunden erlitten Hunderte Millionen Dollar Verlust. Der Konsumgüter-Gigant Procter & Gamble, der sein Währungsrisiko mit den Derivaten hatte absichern wollen, verklagte Bankers Trust nach einem Verlust von 160 Millionen Dollar, weil die Banker das Unternehmen über das wahre Risiko der Finanzinstrumente getäuscht hätten. Zur selben Zeit wurden Mitarbeiter der Bank erwischt, die Geld, das Kunden auf vergessenen Konten hielten, als Erlöse für die Bank verbuchten. Der Leistungsdruck sei zu hoch gewesen, so ihre Entschuldigung für die illegale Enteignung. "Die Übernahme von Bankers Trust war die Erbsünde. Damit hat sich die Deutsche Bank eine Kultur des Abzockens eingefangen", sagt ein Wall-Street-Kenner.

Zur selben Zeit waren die amerikanischen Großbanken bereits dabei, Donald Trump zu meiden. Trump hatte in den achtziger Jahren frühe Erfolge in New York gefeiert, wo er mit Luxusprojekten wie dem Trump Tower geholfen hatte, den ramponierten Ruf der Stadt aufzupolieren. Das hatte die Banker beeindruckt. So finanzierten sie die Expansion des Immobilienerben nach Atlantic City. Trump versprach, das verstaubte Ostküsten-Spielerparadies wieder zur Attraktion zu machen. Kronjuwel sollte das Taj Mahal werden, Baukosten 1,2 Milliarden Dollar. Das Hotel und Casino eröffnete 1990. Da hatte Trump nach Berechnungen von Alan Pomerantz, später der Verhandlungsführer der Gläubigerbanken, vier Milliarden Dollar Schulden bei mehr als 70 Kreditinstituten. Schon ein Jahr nach der spektakulären Eröffnung, bei der Michael Jackson auftrat, war das Taj Mahal pleite. Die Rezession der frühen neunziger Jahre hatte das Projekt in die Schieflage getrieben.

Ohne das Erfolgsimage von Trump wären seine Immobilien allerdings noch weniger wert gewesen. So zeigten sich die Banker gnädig. Trump musste die Projekte nach und nach verkaufen. Seine persönlichen Schulden wurden ihm größtenteils erlassen. Sie genehmigten ihm sogar ein Taschengeld in Höhe von 450.000 Dollar im Monat, um seinen Lebensstil aufrechterhalten zu können. Danach wollte sich allerdings keines der bekannten Institute mehr auf das "Donald-Risiko" einlassen.

Donald Trump und die Deutsche Bank, das waren Ende der neunziger Jahre also die beiden Einsamen, die allein zum Ball gingen. Es sollte nicht lange dauern, bis sie sich fanden.

Schon vor dem Kauf von Bankers Trust hatten die Frankfurter versucht, in der New Yorker Immobilienwelt mitzumischen. Als Donald Trump 1998 für einen Kredit vorstellig wurde, um seinen Büroturm an der Wall Street zu renovieren, sahen die Deutschen ihre Chance gekommen. Sie gaben dem Immobilienmogul trotz der mehrfachen Pleiten seiner Unternehmen 125 Millionen Dollar. Er sei das Risiko bewusst eingegangen, sagte Mike Offit, der damals bei der Deutschen Bank arbeitete und den Kredit an Trump vergab, der Nachrichtenagentur Bloomberg. "Wenn ich nicht bereit gewesen wäre, mich auf Ungewöhnliches einzulassen, wie hätte ich da im Wettbewerb bestehen können?"