An diesem Freitag heißt es: Bühne frei für Brexit, Akt zwei. Bei ihrem Treffen in Brüssel werden die Staats- und Regierungschefs der nach dem Austritt der Briten verbleibenden 27 EU-Mitgliedsstaaten den Weg frei machen für Verhandlungen über die Handelsbeziehungen zwischen Großbritannien und der EU.

Es hat beinahe neun Monate gedauert, bis der EU-Chefunterhändler Michel Barnier und sein britisches Gegenüber David Davis den ersten Akt vorstellungsreif einstudiert hatten. Aber schließlich einigten sie sich in drei Bereichen auf gemeinsame Grundsatzpositionen:

Damit die Grenze zwischen der Republik Irland und dem britischen Nordirland auch in Zukunft barrierefrei bleiben kann, verpflichtet sich Großbritannien zur Beibehaltung bestehender Rechtsvorschriften. Am Status von über drei Millionen Europäern, die in Großbritannien leben, und gut einer Million Briten, die sich auf dem Kontinent niedergelassen haben, wird der Brexit kaum etwas ändern. Außerdem soll London 45 Milliarden Euro nach Brüssel überweisen, um sich von den Verpflichtungen der Mitgliedschaft zu entbinden.

Mit der Zahl von 45 Milliarden Euro gibt es nun erstmals einen konkreten Preis für den Austritt aus der EU. Die "Befreiung vom Joch der EU-Bürokratie", so ein gängiges Wort der Brexit-Befürworter, ist den Briten diese Summe wert. Die Zahl könnte ein Richtwert werden, falls andere dem Beispiel einmal folgen wollten.

Die Zahl hat aber auch Aussagekraft für die Gegenwart, weil ihre Entstehung und der Umgang mit ihr jene grundsätzlichen Unterschiede zwischen der Europäischen Union und Großbritannien abbildet, die überhaupt erst zum Brexit geführt haben.

Auf dem Papier decken die 45 Milliarden den britischen Anteil an den Ausgaben der laufenden EU-Haushaltsperiode bis 2020 sowie Beiträge zum Rentenfonds der Brüsseler Beamten. Wie viel dabei zusammenkommt, ist allerdings abhängig von allerlei Annahmen, die man sich ganz nach Gusto zusammenklauben kann.

Schon der Stichtag für die Abschlussrechnung ist entscheidend. Nimmt man das Datum des Referendums, den 23. Juni 2016, oder den 28. März 2017, den Tag, an dem Premierministerin Theresa May den Austrittsprozess offiziell in Gang gesetzt hat? Zwischen diesen beiden Terminen ist das Pfund gegenüber dem Euro um rund 23 Prozent abgesackt, was wiederum zu einem Unterschied von 10 Milliarden Euro führt. Auch der 29. März 2019, wenn der Brexit rechtskräftig wird, wäre ein logischer Stichtag, und keiner weiß, zu welchem Kurs die Währungen dann gehandelt werden.