Angeblich ist Pater Lombardi jetzt im Ruhestand, aber er wirkt unverändert: die grauschwarze Dienstkluft des Jesuiten, der wache, prüfende Blick und die konzentrierte Gelassenheit, mit der er in turbulentesten Zeiten die Sala Stampa della Santa Sede dominierte, den Pressesaal des Heiligen Stuhls. Er musste VatiLeaks erklären, einen Papstrücktritt verkünden und die ersten spontanen Worte von Papst Franziskus auslegen. Federico Lombardi, 75, hatte als Pressesprecher des Vatikans einen der heikelsten Jobs der Welt. Jetzt leitet er "nur" noch die vatikanoffizielle Joseph-Ratzinger-Stiftung, nahe dem Petersdom, in Sichtweite seiner alten Arbeitsstätte. Auf Lombardis Schreibtisch türmen sich wie immer die Akten. Er öffnet selbst die schwere Tür des Palazzos und begrüßt in feinem, altmodischem Deutsch.

Federico Lombardi: Willkommen! Sie sind wirklich sehr pünktlich, sehr deutsch.

DIE ZEIT: Danke, manchmal. Ich bemühe mich.

Wir betreten schlichte Büroräume, nur an der blauen Wand des Konferenzraums hängt pompös ein Gemälde von Papst Benedikt, das Geschenk eines Stifters. Lombardi lächelt, fast entschuldigend. Es scheint nicht sein Lieblingsbild zu sein.

ZEIT: Pater Lombardi, gab es in Ihren zehn Jahren als Pressesprecher mal einen Moment, in dem es Ihnen die Sprache verschlug?

Lombardi: (ohne Zögern) Ja! Als herauskam, dass ein Jesuit Papst geworden war. Im Pressesaal erwarteten alle, dass ich als sein Ordensbruder begeistert bin, aber ich wusste wirklich nicht, was ich sagen sollte.

ZEIT: Jorge Mario Bergoglio hatte auch im Konklave zuvor, als Joseph Ratzinger gewählt wurde, schon Stimmen bekommen.

Lombardi: Er war papabile, aber ich konnte mir das nicht vorstellen: ein Jesuit als Papst. Wir legen ja ein Gelübde ab, keine höheren Würden anzustreben, normalerweise werden wir nicht einmal Bischof.

ZEIT: Und was haben Sie nun der Presse gesagt?

Lombardi: Zwei Dinge: dass die Wahl des Namens Franziskus und die Herkunft aus Lateinamerika für einen Papst neu sind. Aber dass er ein Mitbruder ist, habe ich nicht erwähnt.

ZEIT: Nicht?

Lombardi: Nein. Ich war zu überrascht.