I. Ein Salon schreibt Kunstgeschichte

Ein Salon ist ein gemütlicher Raum mit Bildern an der Wand, die Bildung erkennen lassen. Dort trifft man sich zum Plaudern über die Weltlage und die Kunst. So war es seinerzeit im Salon von Henriette Herz oder Rahel Varnhagen. In Frankreich ist ein Salon eher ein großer Saal, ein ganz besonderer ist der Grand Salon Carrée im Louvre.

II. Nur Protz, Pracht und Prunk?

Wer in Frankreich als Maler reüssieren wollte, musste im "Salon" ausstellen. Von 1663 an zeigten Mitglieder der Königlichen Akademie regelmäßig ihre Werke in Paris. Später im königlichen Schloss. Mit der Französischen Revolution fiel das Privileg der Akademiker. Jeder Künstler durfte Werke einreichen, die dann dicht gedrängt den Grand Salon Carrée füllten. 1880 waren es 5.000 Maler und Bildhauer. Süffisant wurde deshalb "Salonmalerei" genannt, was dem auf Repräsentation ausgerichteten Geschmack entsprach und mit Regierungsankäufen belohnt wurde. Mit Pomp und Protz sei diese Kunst populär gewesen, sagen Kritiker.

III. Salonmaler Manet?

Den Gegenpol bildeten angeblich die Impressionisten, die fortschrittlich und antiakademisch gewesen seien. Und die deshalb von den konservativen Zeitgenossen nicht gebührend gewürdigt wurden. Aber so war es nicht. Die Kunst des 19. Jahrhunderts lässt sich nicht einfach in "progressiv" und "reaktionär" aufspalten. Manet stellte fünfzehnmal im "Salon" aus. Renoir elfmal. Trotzdem wird man ihre Bilder nicht "Salonmalerei" nennen.

IV. Wie die Feuerwehr

Als typisch gelten jene Schinken, die historische Situationen ausmalen, religiöse Geschichten erzählen, mit antiken Motiven jonglieren und den Orientalismus als Exotismus pflegen – wozu eine ordentliche Prise Erotik gehört. Die Helden auf den Bildern glichen oft jenen nackten Jünglingen mit goldglänzenden Helmen, wie sie die Klassizisten malten. Und da französische Feuerwehrleute – pompiers – im 19. Jahrhundert einen ganz ähnlichen Kopfschutz trugen, kam es zu einer spöttischen Verballhornung, die noch heute in der Kunstgeschichte ihren Platz hat: Salonmalerei dieser Zeit heißt l’art pompier.

V. Gefragt und ausgestellt

Heute ist das Interesse für die "Salonmalerei" wieder geweckt. Die Eröffnung des Pariser Musée Quai d’Orsay 1986 war dabei ein bedeutungsvoller Akzent. In jüngster Zeit durften sich alle wichtigen Vertreter dieses Genres – von Alma-Tadema bis Gérôme und Makart – großer Ausstellungen und respektabler Auktionszuschläge erfreuen.