Peter Altmaier hat jetzt einen sehr mächtigen Gegner. Sein Name: Donald Trump. Grund dafür ist ein dreiseitiger Protestbrief, der auf Initiative des geschäftsführenden deutschen Finanzministers am Montag dieser Woche an mehrere amerikanische Spitzenpolitiker verschickt wurde – darunter Paul Ryan, Sprecher des Repräsentantenhauses, und Gary Cohn, Wirtschaftsberater des amerikanischen Präsidenten.

In dem Schreiben kritisieren Altmaier und seine Kollegen aus Italien, Frankreich, Spanien und Großbritannien, dass Trump mit seiner geplanten Steuerreform den internationalen Handel zulasten der Europäer "verzerre", und melden "erhebliche Bedenken" an – ein beispielloser Vorgang. In der Vergangenheit wurden Steuerfragen in der Regel als innere Angelegenheit von Staaten betrachtet. Entsprechend groß ist in der amerikanischen Regierung die Verärgerung, zumal die Intervention zu einem denkbar ungünstigen Zeitpunkt kommt: Schon in wenigen Tagen soll der Senat über das Gesetzespaket abstimmen.

Dass sich Altmaier und seine Kollegen trotzdem über dieses Nichteinmischungsgebot hinwegsetzten, zeigt, wie sehr das Thema Steuern inzwischen zum internationalen Politikum geworden ist – und wie sehr man in Berlin, Paris, Madrid und Rom Donald Trump misstraut.

Tatsächlich könnte die geplante Reform europäische Unternehmen hart treffen. Das liegt vor allem an einem Detail, das gut versteckt auf Seite 397 des Gesetzentwurfs zu finden ist. Dort wird festgelegt, dass in den USA tätige Konzerne mit einer Strafsteuer belegt werden, wenn sie Leistungen aus ausländischen Niederlassungen einführen.

Klingt kompliziert, ist aber im Prinzip ganz einfach: Wenn sich zum Beispiel das BMW-Werk im amerikanischen Bundesstaat South Carolina einen Bordcomputer aus München liefern lässt, dann würde dieser in den USA als Import mit 20 Prozent besteuert. Weil BMW den Verkauf des Bordcomputers aber auch in Deutschland schon versteuern musste, wird das Unternehmen zweimal zur Kasse gebeten – ein Wettbewerbsnachteil im weltweiten Kampf um Marktanteile.

Es geht um viel Geld: Im vergangenen Jahr führten europäische Firmen Waren im Wert von 363 Milliarden Euro in die USA aus. Etwa die Hälfte dieses transatlantischen Handels spielt sich dabei innerhalb internationaler Konzerne ab. Die deutsche Wirtschaft ist bereits in Alarmstimmung. Aus Sicht des Bundesverbands der Deutschen Industrie habe die Regelung einen "klar protektionistischen Charakter". Beim Deutschen Industrie- und Handelskammertag heißt es, die amerikanische Regierung wolle ihre eigenen Unternehmen auf Kosten ausländischer Firmen stärken, das widerspreche "den Regeln internationaler Handelsabkommen".

Experten sehen das ähnlich. Johannes Becker, Steuerfachmann an der Universität Münster, rechnet mit "erheblichen Kollateralschäden" für den europäischen Wirtschaftsstandort. So hätten deutsche, französische oder britische Unternehmen mit Standorten in den Vereinigten Staaten einen Anreiz, ihre Produktion dorthin zu verlagern, damit sie dann weniger Waren aus dem Ausland einführen müssen. Sie würden dadurch Steuern sparen, denn wenn das BMW-Werk in South Carolina den Bordcomputer beispielsweise aus Michigan bezieht, fallen keine zusätzlichen Steuern an.