Für den deutschen Fußball war das zweite Adventswochenende 2017 wahrlich kein seliges. "Wir sind mit dieser Situation alle nicht glücklich", gesteht der Boss des großen deutschen Traditionsvereins Borussia Dortmund, Hans-Joachim Watzke, am Sonntagmorgen auf einer kurzfristig einberufenen Pressekonferenz. "Aber wenn man als BVB an siebter Stelle steht, ist einiges schiefgelaufen." Und so entlässt er nach sieben Wochen des Misserfolgs den Trainer Peter Bosz und ersetzt ihn durch den Österreicher Peter Stöger. Der wiederum nach anhaltendem Misserfolg sieben Tage zuvor in Köln entlassen wurde. Stöger hatte mit seinem 1. FC am Rhein drei von möglichen 42 Punkten geliefert – und damit den Grundstein für den Abstieg aus der Erstklassigkeit gelegt. Auf besondere Weise hat BVB-Chef Watzke damit Mut bewiesen: Sollte Stöger den BVB in die Erfolgsspur zurückführen können, wäre er der beste österreichische Trainer seit Ernst Happel.

Und die Kölner? "Bei allen äußeren Faktoren, die zusammengekommen sind und die wir nicht beeinflussen können, müssen wir selbstkritisch eingestehen, dass ein großer Teil der schwierigen Lage selbst verschuldet ist", schreibt der Vorstand des FC Köln wenig später in einem offenen Brief an seine Fans. "Wir haben zu spät realisiert, dass das erfolgreiche Duo Jörg Schmadtke und Peter Stöger nicht mehr funktioniert – mit allen Konsequenzen, die dies bis heute hat." Man kann uns Deutschen nicht vorwerfen, wir seien nicht schuldbewusst und im Schadensfall ehrlich.

Während die Funktionäre noch um Haltung und Verständnis der Fans ringen, blickt die internationale Fußballgemeinde bereits nach England: An den Fernsehschirmen verfolgt eine Milliarde Fans aus 189 Ländern in den Abendstunden des zweiten Advents das Duell zwischen Rekordmeister Manchester United und Tabellenführer Manchester City, das größte Stadtderby der Welt.

Dieser Adventssonntag steht symptomatisch für eine Woche der Negativrekorde der deutschen Vereine auf internationalem Terrain: Von sieben zu Beginn dieser Saison gestarteten deutschen Vereinen werden 2018 nur noch drei international dabei sein, die Bayern in der Champions League, Leipzig und Dortmund in der Europa League. England feiert mit fünf Teilnehmern im Champions-League-Achtelfinale das beste Zwischenergebnis in der Geschichte. Ein Drittel aller verbliebenen Clubs kommen von der Insel.

Ausgerechnet Manchester hat sich zum Mittelpunkt des europäischen Fußballs entwickelt. Dieser Ort, den der Fabrikantensohn Friedrich Engels in Zeiten der Industrialisierung in seinem 1843 erschienenen Werk Die Lage der arbeitenden Klasse in England als "Hölle auf Erden" bezeichnete.

Die Textilfabriken und Chemiewerke von damals sind geschlossen, aber der Kapitalismus ist 170 Jahre später wieder da. Und im Zentrum stehen die Citizens, dieser von Pep Guardiola trainierte, unter deutschen Fußballromantikern so verpönte Verein, der von einer Investmentgruppe aus Abu Dhabi und einem Medienunternehmen aus China gehalten wird. An diesem Abend gewinnt ManCity mit 2 : 1. Mehr Strahlkraft hatte der Verein nie.

Kein Wunder, sagt Bayern-Trainer Jupp Heynckes, dass die Engländer so stark seien. Da fließe ja auch das meiste Geld hin. Natürlich ist an dieser Erklärung, die in der Bundesliga mittlerweile reflexartig die Runde macht, auch etwas dran. Mit dem Geld der internationalen Investoren finanzieren die englischen Vereine die besten Spieler der Welt. Und die besten Trainer, mit Guardiola und José Mourinho, der Manchester United trainiert. Außerdem ist der PayTV-Markt traditionell in England viel stärker, die Premier League schöpft allein aus dem nationalen TV-Markt Jahr für Jahr mehr als zwei Milliarden Euro ab. Das lässt die Vereinsbosse auf dem Kontinent schon mal neidisch werden.