Die Geschichte vom Kindermord des Herodes wird im Matthäusevangelium erzählt: Der jüdische König von Roms Gnaden hört von der Geburt Jesu in Bethlehem und hat Angst, der neue "König der Juden" könne ihm den Thron streitig machen. Also lässt er in Bethlehem alle männlichen Babys unter zwei Jahren umbringen. Maria und Josef aber fliehen rechtzeitig mit dem Jesuskind nach Ägypten und entkommen so dem Massaker.

Die christlichen Kirchen haben diese Legende lange Zeit verbreitet, die Zahl der angeblich ermordeten Kinder wurde immer größer: von 14.000 in der griechischen Liturgie bis zu Schätzungen von 144.000 im Mittelalter. Die Catholic Encyclopedia von 1913 dagegen argumentierte, dass es bei einer Bevölkerung von etwa 1.000 Menschen in Bethlehem nur 6 bis 20 Kinder gewesen sein können.

Moderne Historiker dagegen zweifeln die Historizität der Geschichte an oder lehnen sie rundweg ab. Denn es gibt keine zeitgenössische Quelle für den Kindermord. Das heißt nicht, dass Herodes lammfromm war: Von seinen mindestens 15 eigenen Kindern aus zehn Ehen ließ er drei im Erwachsenenalter hinrichten, weil sie ihm in die Quere kamen.

Die Adressen für "Stimmt’s"-Fragen: DIE ZEIT, Stimmt’s?, 20079 Hamburg oder stimmts@zeit.de.

Das "Stimmt’s?"-Archiv: www.zeit.de/stimmts

Diesen Artikel finden Sie als Audiodatei im Premiumbereich unter www.zeit.de/audio