Eine bezahlbare Wohnung in einer deutschen Großstadt zu finden wird immer schwieriger. Das gilt nicht nur für Menschen mit geringem Einkommen, sondern auch für Normalverdiener. Es reicht nicht, dem Problem mit der Mietpreisbremse zu begegnen. Ein wichtiger Grund für die Missstände ist ein Mangel, der am unteren Ende des Wohnungsmarktes beginnt. Er betrifft Sozialwohnungen, also solche Wohnungen, deren Miete unter dem Mietspiegel liegt. Gab es in den 1980er Jahren noch etwa vier Millionen Sozialwohnungen, so sind es heute gerade noch 1,3 Millionen – und das trotz steigenden Bedarfs.

Damit sich die Lage bessert, muss Deutschland seine gesamte soziale Wohnbaupolitik neu denken. Ein Modell, es besser zu machen, ließe sich in der Schweiz finden.

Zwar hat die Idee, Menschen mit bezahlbaren Wohnungen zu versorgen, in Deutschland eine lange Tradition. In den vergangenen Jahrzehnten wurde sie aber mehr und mehr aufgegeben. Vor etwa hundert Jahren begann hierzulande der soziale Wohnungsbau. Ab 1950 trug er zur Bewältigung der enormen Wohnungsnot und zur Integration der Heimatvertriebenen bei.

Staatliche Subventionen haben über Jahrzehnte hinweg dafür gesorgt, dass bezahlbarer Wohnraum für breite Schichten der Bevölkerung zur Verfügung stand. Wohnbaugesellschaften bekamen Darlehen zu günstigen Konditionen und mussten dafür zwei Bedingungen erfüllen: Vermietet werden durfte nur an Inhaber eines Wohnberechtigungsscheins, und die Höhe der Miete wurde vorgegeben.

Ab den 1980er Jahren begann der Niedergang des sozialen Wohnungsbaus. Zudem geriet er im Zusammenhang mit der Affäre bei der gewerkschaftseigenen Neuen Heimat in Misskredit; deren Vorstandsmitglieder hatten sich privat mit Millionen D-Mark bereichert.

Gleichzeitig wurde die Baupolitik ein Opfer der Entspannung. Weil es ausreichend Wohnraum gab, wurde der soziale Wohnungsbau zurückgefahren und die Wohnungsgemeinnützigkeit abgeschafft. Dann zog sich der Bund im Zuge der Föderalismusreform schrittweise aus dem sozialen Wohnungsbau zurück. Städte und Kommunen verkauften ehemals gemeinnützigen Wohnraum immer öfter an Investoren. Allein zwischen 1999 und 2015 wurden in Deutschland über drei Millionen Wohnungen auf den Markt geworfen. Die Stadt Dresden veräußerte gar ihren gesamten kommunalen Wohnungsbestand. Der freie Markt, so die trügerische Auffassung, werde den Wohnungsmarkt effektiver regeln.

Hinzu kommt, dass Sozialwohnungen eine Art Ablaufdatum haben: Die Mietpreis-Deckelung gilt in der Regel nur für 15 bis 20 Jahre. Danach werden die Wohnungen für den freien Wohnungsmarkt freigegeben. Zwar wurden zwischen 1950 und 2001 knapp neun Millionen Sozialwohnungen gebaut. Doch die meisten fielen aufgrund der zeitlichen Befristung irgendwann aus ihren Bindungen.

Neben der Erwartung der Privatisierung hat sich noch eine andere Vorstellung nicht erfüllt: Entgegen demografischen Prognosen schrumpfte die Bevölkerung in den Städten keineswegs. Im Gegenteil: Immer mehr Menschen zogen in den vergangenen Jahren in Metropolen und Universitätsstädte. Seit den 1990er Jahren, und natürlich noch einmal ab 2015, kamen vermehrt Zuwanderer und Flüchtlinge hinzu. Der Wohnraum wurde immer knapper, die Bodenpreise stiegen, und Investoren ließen die Preise mit ihren Spekulationen in die Höhe schießen. So legten die Mieten beispielsweise in München seit 1995 um 70 Prozent zu.