DIE ZEIT: Herr Kendi, für Ihr Buch Gebrandmarkt – Die wahre Geschichte des Rassismus in Amerika haben Sie den National Book Award erhalten. Gewiss gab es auch weniger erfreuliche Reaktionen.

Ibram X. Kendi: Natürlich. Ich habe Hass-Post erhalten. Das ist unweigerlich so, wenn man über Rassismus schreibt.

ZEIT: Sie haben, bekennen Sie, während der Arbeit auch bei sich selbst rassistische Ideen entdeckt. Welche?

Kendi: Dass schwarze Viertel gefährlicher seien als weiße zum Beispiel. Bei meiner Recherche habe ich festgestellt, dass sich das Ausmaß von Drogenkonsum und -handel in weißen und schwarzen Gegenden nicht unterscheidet. Die Wahrscheinlichkeit aber, als Schwarzer deswegen ins Gefängnis zu kommen, ist um ein Vielfaches höher. Auch lässt sich kein Zusammenhang zwischen Hautfarbe und Gewaltverbrechen nachweisen, sehr wohl aber zwischen der Zahl der Verbrechen und der Arbeitslosenrate – egal bei welcher ethnischen Gruppe.