Die Tatsache, dass die Autorin dieser Zeilen in der Mitte des neuen Star Wars- Films in einen friedlichen viertelstündigen Schlaf versank, während auf der Leinwand die alles entscheidende und dann doch nicht alles entscheidende Weltraumschlacht weitertobte, heißt nicht, dass Star Wars: Die letzten Jedi ein langweiliges Werk ist. Im Gegenteil: Die Fortsetzung der einflussreichsten Pop-Mythologie aller Zeiten hat so viel Angst zu langweilen, dass sie ihr Erzählmaterial unter einen melodramatischen Druck setzt, dem man sich wohl nur durch Schlaf oder kurzzeitige Meditation entziehen kann. Jede Szene, jede Geste, jedes narrative Fitzelchen der nunmehr achten Episode scheint beweisen zu wollen, dass es ums Ganze geht. Es wird also ein bisschen zu viel von Kommandobrücken gebrüllt, es werden zu häufig Jedi-Schwerter zu Pauken- und Fanfarenklängen gekreuzt, Raumschiffbildschirme von den Guten mit sorgenvollem Stirnrunzeln betrachtet, während im Gegenschnitt Böse mit brutalen Gesichtern ungeduldig hin und her stapfen.

Dazwischen gibt es zum Glück das, was das Star Wars-Universum ausmacht: eine in der Zukunft spielende dunkle Familiengeschichte, in der Väter, Söhne, Prinzessinnen, Schurken und Jedi-Ritter um die Macht im Universum ringen. Fantastische Planetenwelten (ein groteskes interstellares Las Vegas), vielgestaltige, vielschuppige Galaxiebewohner und den schrottigen Raumfrachter Millennium Falcon, der mit Hyperantriebsklasse 0,5 immer noch elegant durch Höhlenlandschaften saust. Ja, Star Wars ist und bleibt der Legendensteinbruch, der synthetische Mythos, der unsere Kultur imprägniert, geformt, unterwandert hat, vom avantgardistischen Science-Fiction-Design bis zum jetzt wieder neu aufgelegten Star Wars- Kellogg’s-Paket. Menschen, die noch nie die Namen Obi Wan Kenobi oder Luke Skywalker gehört oder mit einem Laserschwert gespielt haben, lässt sich ohnehin schwer vermitteln, weshalb der achte Star Wars- Film nun der Mittelteil einer neuen Trilogie ist, der demnächst eine weitere folgen wird.

Der aktuelle Film von Rian Johnson wirkt trotz einer gewissen Länge und dramaturgischen Aufgeblasenheit sympathisch und modern. Durch seinen Witz. Und durch seine komplexen weiblichen Figuren: Daisy Ridley als einsames Waisenmädchen Rey, das als Jedi-Schülerin seine Ungeduld zähmen muss. Oder die große David-Lynch-Darstellerin Laura Dern als tapfere Generalin mit hysterischen Abgründen. Zu den stärksten Momenten gehören jene, in denen familiäre Entfremdung und Verbundenheit nicht zu trennen sind: wenn Prinzessin Leia und ihr der dunklen Seite verfallener Sohn bei einer Schlacht eine telepathische Verbindung aufbauen, die ihn daran hindert, sie zu töten. Oder wenn sich die Geschwister Luke Skywalker und Prinzessin Leia nach Jahrzehnten wiederbegegnen. Den Moment der Verlegenheit überwindet sie mit einer kleinen Bemerkung: "Ich habe meine Frisur verändert." Carrie Fisher, die in Die letzten Jedi die New-Age-Wärme einer kalifornischen Ponyhofbesitzerin verströmt, war bereits 1977 im ersten Star Wars- Film Darstellerin der Leia. Kurz nach Ende der Dreharbeiten von Die letzten Jedi starb sie mit nur sechzig Jahren. Für ihre Urne wählte sie die eigens angefertigte Form einer Antidepressiva-Prozac-Pille – gibt es ein treffenderes Bild für die Verschmelzung von Kunst, Kommerz, Todesverdrängung und Unterhaltung?

Jedenfalls wirft Fishers Tod ein zutiefst melancholisches Licht auf die Star Wars-Saga, mit der wir, die Kinder einer weit, weit entfernten Galaxis, älter geworden sind oder uns – je nach Geisteshaltung – immer noch jung fühlen können.