Bahrenfelder Chaussee, Max-Brauer-Allee, Amsinckstraße und nun die Elbchaussee – Straßennamen, die sich in den letzten Monaten ins Hirn gestresster Autofahrer eingefräst haben als Orte, an denen man urplötzlich über Stunden im Stau stand. Warum? Wegen eines Wasserrohrbruchs! Ist das Leitungsnetz der Stadt marode? Ist es nur eine Frage von Tagen, bis die nächste Leitung kollabiert?

Nein, Wasserrohrbrüche, stellt Ole Braukmann, Sprecher von Hamburg Wasser, klar, sind in einer Stadt mit einem Trinkwasser-Leitungsnetz von 5.323 Kilometern keine Katastrophe, sondern Alltag: Um die 500 Rohrbrüche an Hauptleitungen gibt es jährlich in Hamburg. Und von wegen Häufung: Im vergangenen Jahr passierten sogar "nur" um die 400 Brüche. Bei der Schadensrate pro Kilometer Leitung liegt Hamburg unter dem ohnehin guten Bundesdurchschnitt. Auf dem Weg vom Wasserwerk zum Kunden gehen lediglich knapp vier Prozent des Wassers verloren – in Mexico City sind es 44 Prozent, in Stockholm 19 und in Köln immer noch sieben. Kurz: Hamburgs Netz ist nicht marode, sondern vorbildhaft. Bei den Brüchen der letzten Zeit, sagt Braukmann, seien eben nur ein paar "spektakuläre" Orte dabei gewesen.

Dass ein Rohr den Geist aufgibt, kann gleich mehrere Ursachen haben: Baumaßnahmen, die Witterung, Wechsel von Frost- und Tauphasen, der Straßen-, vor allem der Schwerverkehr und das Material. Suche man nach einem Sorgenkind, sagt Braukmann, seien das "Graugussleitungen aus den fünfziger, sechziger Jahren an Hauptverkehrsstraßen". Auch die Leitung, die jüngst in Nienstedten brach, war aus Grauguss. Bei der Erneuerung von Rohren achte man darauf, solche Bruchkandidaten früh ausfindig zu machen. Nur leider lässt sich nicht exakt vorhersagen, wo und wann der nächste Bruch passiert. Eine Inspektion von innen mit Robotern, wie in der Kanalisation üblich, geht aus hygienischen Gründen nicht. So müssen wir uns wohl einfach damit abfinden, dass ab und zu im Untergrund ein Malheur passiert. Und zur Beruhigung denken wir daran, dass es viel schlimmer sein kann – siehe Mexico City.