Ein neues Mutterbild

"Junge Frauen erwarten politische, gesellschaftliche und familiäre Gleichberechtigung – aber wenn sie heute Mütter werden, werden sie mit einem Mutterbild konfrontiert, das sie zurück in die fünfziger Jahre katapultiert und 'Selbstaufgabe' erwartet. Die Mehrheit der Mütter trägt immer noch die Hauptlast der Familien- und insbesondere der Hausarbeit – obwohl sie zunehmend erwerbstätig sind. Im Müttergenesungswerk leiden 87 Prozent der Frauen in den Mutter-Kind- und Mütterkuren an Erschöpfungszuständen bis zum Burn-out. Sie brauchen mehr Anerkennung, mehr Gleichberechtigung innerhalb der Familien, mehr Unterstützung im Alltag. Und vor allem ein modernes Mutterbild."

Anne Schilling, Geschäftsführerin der Elly Heuss-Knapp-Stiftung, Deutsches Müttergenesungswerk

Kinderarmut bekämpfen

"Mein Wunsch für 2018 ist, dass Kinder in Deutschland nicht länger unter Armut leiden müssen. Denn nur wenig bewegt sich bei der Bekämpfung von Kinderarmut. An Erkenntnissen darüber, wie Armut Teilhabe, Wohlbefinden und Bildung der Kinder beeinträchtigt, mangelt es nicht. Auch die strukturellen Ursachen von Kinderarmut sind hinlänglich bekannt. Besonders betroffen sind Kinder von Alleinerziehenden und Kinder mit drei und mehr Geschwistern. Jedes vierte Kind hat kein Geld für einen Verein, kein Geld für Ausflüge. Die Eltern können die Kosten für Schulmaterialien nur schwer aufbringen. In nahezu allen Lebensbereichen erleben Kinder in Armut erhebliche Einschränkungen und haben im Vergleich zu durchschnittlich versorgten Kindern deutlich schlechtere Chancen.

Was kann man tun? Politik muss vom Kind aus gedacht werden. Kinder sollten unabhängig vom Einkommen ihrer Familie das Recht auf ein Grundeinkommen erhalten. Dafür muss die Politik sorgen, und dazu braucht es endlich den sichtbaren Willen."

Sabine Andresen, Vizepräsidentin des Deutschen Kinderschutzbundes

Mehr gemeinsame Zeit

"Familien in Deutschland erleben ihren Alltag immer noch als sehr stressig, viele leiden unter Zeitmangel und vor allem unter ihren hohen Ansprüchen, alles unter einen Hut zu bekommen. Eltern plagt das schlechte Gewissen, nicht genügend Zeit für die Kinder zu haben. Mein Wunsch wäre es, dass sich Mütter wie Väter zusammen wieder mehr Ruhe und Zeit nehmen, um sich ihrer eigenen Ziele, Werte und Stärken als Familie bewusst zu werden und um ihren Kindern einen festen Rahmen in unserer schnelllebigen Welt zu bieten."

Volker Baisch, Geschäftsführer der Väter gGmbH

Kinderrechte ins Grundgesetz

"Ich wünsche mir die Aufnahme von Kinderrechten im Grundgesetz. Kinder sind keine kleinen Erwachsenen, sie brauchen über die allgemeinen Grundrechte hinaus besondere Rechte. Deshalb sollten die Kinderrechte auf Förderung, Schutz und Beteiligung sowie der Vorrang des Kindeswohls bei allem staatlichen Handeln im Grundgesetz festgeschrieben werden. Eine Stärkung der Rechte von Kindern führt nicht automatisch zu einer Schwächung der Rechte von Eltern. Im Gegenteil: Eltern erhalten dadurch bessere Möglichkeiten, die Rechte ihrer Kinder gegenüber staatlichen Einrichtungen durchzusetzen."

Thomas Krüger, Präsident des Deutschen Kinderhilfswerkes