Lange war er vor allem ein Phänomen des deutschen Kunstmarkts: Eine internationale Karriere mit Millionenerlösen war für Günther Uecker vor 15 Jahren kaum zu erwarten. Der 1930 geborene Künstler und seine Nagelbilder – seit Mitte der fünfziger Jahre sein Markenzeichen – schienen vor allem für das gediegen moderne Bürgertum der Bundesrepublik interessant zu sein.

Das hat sich in den vergangenen Jahren gründlich geändert und gipfelte in diesem Jahr in einer Welle von beeindruckenden Auktionsergebnissen. Erst 2007 hatte ein Uecker-Werk bei einer Versteigerung überhaupt die Hürde von 100.000 Euro genommen. Im Juni 2014 überschritt er dann mit der luftig-zarten Nagel-Komposition Hommage à Fontana von 1962 beim Auktionshaus Ketterer die Millionengrenze – der Schätzwert hatte da noch bei 200.000 bis 300.000 Euro gelegen. Ein Jahr später kam ein Nagelbild von 1960 im gleichen Haus schon auf 1,9 Millionen.

Auch andere Auktionshäuser erzielten ungeahnt hohe Preise. In diesem März gelang Christie’s mit drei Millionen Euro ein neuer Uecker-Rekord, nicht mit einem Frühwerk, sondern einem Nagelrelief von 1997. Bei Van Ham sprang Ende November eine erst 2011 entstandene Arbeit (aus der Konkursmasse des verurteilten Kunstberaters Helge Achenbach) auf 2,8 Millionen. Dass dies keine einsamen Höhenflüge sind, bewiesen Anfang Dezember erzielte 650.000 bei Ketterer und eine Million Euro bei Grisebach. Nicht zu vergessen: In den Galerien bewegen sich die Preise für repräsentative Uecker-Werke ebenfalls zuverlässig im siebenstelligen Bereich.

Kein Zweifel, Uecker ist bei potenten Sammlern in aller Welt angekommen; allein unter deutschen Käufern wären solche Preise nicht zu realisieren. Die Gründe für den Erfolg? Seine Werke faszinieren und atmen den Avantgarde-Geist der Zero-Bewegung, der Uecker in den späten fünfziger und sechziger Jahren angehörte. Zugleich sind seine Nagelreliefs mit ihren fließenden Kraftströmen auf Anhieb zu erkennen. Sie taugen also als kultivierte Statussymbole. Uecker ist zur lukrativen Marke geworden – was natürlich kein Künstler gerne über sich hört. Die Preise aber treibt es.