Wir wollen hier nicht auf den Streit um die Sandwesten eingehen, die in Hamburg hyperaktiven Schulkindern angelegt werden, um sie am Zappeln zu hindern. Es sind ja höchstens dreieinhalb Kilo, die als Streugut in dem therapeutischen Kleidungsstück stecken und so etwas wie gesunde Erdenschwere vermitteln sollen. Von Zwangsjacken zu sprechen wäre mehr als ungerecht, wenngleich ... obzwar ... nun, jedenfalls: die Vorstellung etwas Ungemütliches hat. Dreieinhalb Kilo, die an den Schultern hängen, damit man sozialverträglich wird? Andererseits hat gewiss die Therapeutin recht, die sagt: "Ich setze Sandwesten lieber ein als Ritalin." Stellen wir uns einmal vor, die Kanzlerin würde in den Koalitionsverhandlungen mit den hyperaktiven SPD-Genossen sagen: "Ich setze Sandwesten lieber ein als Ritalin." Einmal abgesehen davon, dass mindestens sieben Kilo eingenäht werden müssten, um die erwachsenen Quälgeister zur Ruhe zu bringen, würde doch in diesem Fall niemand aufschreien und von einem Verstoß gegen Menschenrechte sprechen wollen. Eher wäre der Bundesrechnungshof zu fürchten, der gewiss den Großhandelspreis von Ritalin mit den Kosten der Anfertigung von Therapiewesten abgleichen würde. Vielleicht wäre eine europaweite Ausschreibung nötig. Überlegt werden müsste, ob der Sand kostengünstig aus der Ukraine kommen dürfte, wenngleich natürlich nicht aus der Nähe von Tschernobyl. Die Verhandler sind zwar schon verpeilt, aber noch nicht verstrahlt, und da wäre es ungut, wenn zu den schlechten Umfragewerten der Politiker noch Ausschläge des Geigerzählers hinzukämen. Andererseits – wir sind heute gerecht – müsste man sich schon auch fragen, ob nicht zwanzig Kilo fette Schwarzerde auf dem Buckel von Christian Lindner seinerzeit verhindert hätten, dass er so elastisch vom Verhandlungstisch der ersten Koalitionsrunde aufspringen und vor die Kameras der Reporter eilen konnte. Wahrscheinlich wäre er spätestens dort eingeknickt und auf allen vieren zu der Therapeutin der Nation zurückgekrochen. Insofern: Was spricht eigentlich gegen die Einschränkung der Beweglichkeit durch intelligente Mode? Manche fesseln sich ja auch selbst, Martin Schulz wirkt, als seien die Schuhe mit Blei ausgegossen, Horst Seehofer hat gewiss mehr als Ritalin genommen, und Donald Trump würde man von Herzen ein Heavy-Metal-Jackett wünschen. Vielleicht mit Plutonium gefüllt? Dann müsste er sich nicht mehr vor Sehnsucht nach einer nordkoreanischen Atomrakete verzehren.

FINIS