Verletze keinen Menschen, gehorche Befehlen, und beschütze deine Existenz. Diese drei Gesetze – hier stark zusammengefasst – entwickelte Science-Fiction-Autor Isaac Asimov für die Roboter in seinen Geschichten. Die Post übernahm die Regeln für ihren automatischen Helfer und fügte eine hinzu: Folge immer den Füßen.

Der Roboter gehorcht. In Bad Hersfeld rollte im Oktober rund sechs Wochen lang ein Prototyp des neuesten Postprojekts durch die Straßen: der PostBOT. 150 Zentimeter hoch, schwarz-gelb lackiert mit markantem Posthorn-Logo, auf vier Rädern mit maximal sechs Stundenkilometern unterwegs, folgt er dem Zusteller auf Schritt und Tritt. Er ist so programmiert, dass er sich mittels eingebauter Sensorik auf die Füße des Boten konzentriert. Bewegen die sich, rollt der Roboter. Bleiben sie stehen, bremst er. Weil er immer auf die Füße starrt, ahnt der Helfer, wohin Herrchen will. Und kann sogar vorausfahren.

Durch einen Steuerungsknopf lässt sich der rollende Kasten an- und ausschalten. "Und wenn er doch mal nicht sicher ist, wo er hinsoll", erklärt Clemens Beckmann, Bereichsleiter Innovationen der Post, "wartet er wie ein braver Hund, bis sein Herrchen kommt." Ein Punkt, den die Post oft betont: Der Roboter stelle keine Gefahr für Menschen dar. Er bremse bei Hindernissen und weiche aus.

Eine sinnvolle Regel, wenn man bedenkt, dass das Gerät inklusive Zuladung 320 Kilo wiegt. Erreichen Postbote und Helferlein das Ziel, übernimmt der Mensch: Er öffnet den Kasten des PostBOTs, nimmt Briefe oder Päckchen heraus und trägt sie zur Tür des Empfängers.

Der Roboter ist nicht das erste technische Prestigeprojekt der Post. Ihr Streetscooter ist ein Transporter mit Elektroantrieb. Die Post kaufte 2014 den gleichnamigen Aachener Hersteller und produziert das E-Mobil nun in Eigeninitiative. In Zeiten der Dieselkrise erweist sich dieser Schritt als vorausschauend und verschafft der Post einen Vorsprung in puncto Elektromobilität in Innenstädten. Andere Projekte: E-Bikes, E-Trikes und Versuche mit Drohnen.

Die Post innovativ: Der Konzern kann gute Nachrichten und freundliche Zukunftsgeschichten gebrauchen, denn in anderen Bereichen setzt es Kritik. Immer wieder finden sich in Medien Meldungen über schlechte Arbeitsbedingungen. Und zu Weihnachten rückt etwas anderes ins Blickfeld: DHL-Zusteller, die Pakete nicht abliefern.

Die Bad Hersfelder Testzusteller jedenfalls preisen das Gerät. Unter anderem den "großen Stauraum". Briefträger Niklas Klessa sagt: "Bad Hersfeld ist ein bisschen hügelig, das war wirklich eine super Arbeitserleichterung für mich."

Auch die Bewohner des Städtchens waren vom PostBOT angetan, sagt Uwe Radetzki, Robotics-Abteilungsleiter bei der Post. "Einige Leute haben ihn mit R2-D2 aus Star Wars verglichen und gewinkt", sagt Radetzki. "Leider kann er natürlich nicht zurückwinken."

Tatsächlich besitzt der PostBOT nicht viel künstliche Intelligenz. Das Gerät basiert auf dem französischen EffiBOT, einer Art rollendem Bollerwagen. Die Post testete 2016 den EffiBOT bereits in Lagerhäusern. Dank ihm hatten Mitarbeiter die Hände frei und mussten keine schweren Handkarren mehr schieben.

Eine Entlastung der Boten ist nötig, denn wegen der Demografie sind immer mehr Zusteller über 50 Jahre alt. Elektrokarren wären keine gute Alternative; man hat seine Hände nicht mehr frei, und in engen Kurven braucht man Kraft zum Lenken. Die Dienstleistungsgewerkschaft ver.di ist ebenfalls vom PostBOT überzeugt: "Hohe Gewichte sind für Zusteller ein Problem", schreibt sie. "Wir begrüßen daher den Begleitroboter. Solche technischen Hilfsmittel helfen, körperliche Belastung zu verringern. Sorge um Arbeitsplatzverluste haben wir nicht."

Gibt es also gar keinen Haken an der Geschichte? "Natürlich ist das kein Moonshot, sondern ein erster Schritt", sagt Alin Albu-Schäffer, Direktor am Institut für Robotik und Mechatronik des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt. "Aber wenn so etwas aus den USA käme, wären alle voller Bewunderung. Bei uns fragt man sich: Wo ist der Haken?" Er kann keinen entdecken. Angst vor Hackern hat der Robotiker nicht. Was allenfalls Probleme machen könnte, sagt er vorsichtig, sei die Elektronik – Kabelriss, Motorelektronik brennt durch, oder Computer stürzt ab: "Ein Roboter ist ein komplexes System."

Für die Zukunft arbeitet der Konzern an verschiedenen Verbesserungen. Unter anderem in den Bereichen Ergonomie und Sicherheit. Man denkt über einen automatisch schließenden Kasten nach und über die Identifizierung des Briefträgers beim Roboter per Fernbedienung. Und autonomer könnte der Roboter werden. Trägt der Bote Briefe aus, fährt Kollege PostBOT schon mal zum nächsten Haus und wartet. "Wir glauben, dass die Koexistenz von Roboter und Mensch sehr zukunftsweisend ist", sagt Clemens Beckmann. Und wann wird der PostBOT zum Straßenbild gehören? Da möchte sich der Postler nicht festlegen.