Keine frohe Botschaft für die katholische Kirche: Das Erzbistum Hamburg muss sparen, nicht ein wenig, sondern radikal. "Die Lage ist so ernst, dass wir möglichst rasch handeln müssen", sagt Erzbischof Stefan Heße im Abendblatt. Was das konkret bedeutet, ist noch nicht entschieden. Klar ist: Es werden einige katholische Schulen und Gotteshäuser geschlossen. 80 Millionen Euro Schulden hat das Bistum zurzeit. In den nächsten vier Jahren könnten sie auf bis zu 350 Millionen Euro anwachsen.

Für das Erzbistum ist das verheerend. Es ist zwar das flächenmäßig größte Bistum Deutschlands, umfasst ganz Schleswig-Holstein, Hamburg sowie Teile von Mecklenburg – die Zahl der katholischen Gläubigen ist jedoch sehr gering. Unter den knapp sechs Millionen Bürgern gibt es nur 400.000 Katholiken. Die Wege sind jetzt schon weit, Pfarrer fahren viele Kilometer zu verschiedenen Gemeinden, um das kirchliche Leben aufrechtzuerhalten. Das wird bald noch schwieriger werden oder ganz unmöglich sein.

Es gibt zwei Arten, mit dieser Misere umzugehen: Die Katholiken können jammern, sich zurückziehen und sich als kleine Schar der Leidgeprüften selbst genügen. Sie können das finanzielle Desaster aber auch als Chance sehen: eine neue Form von Kirchengemeinschaft aufzubauen, die mit wenigen Mitteln auskommt, die sich nicht in Gebäuden verschanzt, sondern rausgeht, mit nicht religiösen Menschen kooperiert und auf diese Weise praktiziert, was das Evangelium vorgibt.

Im Erzbistum gibt es ein groß angelegtes Projekt, das sich Missionarische Kirche nennt. Hunderte Mitarbeiter und Gläubige überlegen, wie eine Öffnung und Vitalisierung ihrer Institution aussehen kann. Hoffentlich gelingt es. Sonst hat die katholische Kirche wenig Zukunft im Norden.