Die Vorfreude. Die Erwartung. Die Anspannung, das Nicht-mehr-aushalten-Können, und dann – was ist dann das Schönste an Weihnachten? Also die Christmas core identity? Kinderfrage natürlich. Und was würden Kinder sagen, auf diese Frage? Würden sie auf das neue Fahrrad verweisen? Den Baum? Die Konzertkarten für Helene Fischer? Vielleicht. Vermutlich nein. Eher denken Kinder oder andere Menschen bei Weihnachten an so etwas wie die Schwefelhölzer, die in diesem Märchen von Hans Christian Andersen in der Hand eines frierenden Mädchens liegen, das im Schneematsch steht und die Fenster schöner Häuser festlich aufleuchten sieht.

Dem einen oder anderen wird der kleine Typ aus dem Bilderbuch von Chris Van Allsburg einfallen – hört am Weihnachtsmorgen ein Knirschen vor dem Haus, da hält auf der Straße ein Zug und nimmt ihn mit, obwohl er noch im Pyjama steckt. Eine Reise durch Wälder, in denen magere Wölfe lauern, und weiter und weiter, "wir erklommen Berge, die waren so hoch, dass es schien, als streiften wir den Mond". So weit! Bis zum Rand der Welt!

Man denkt zu Weihnachten immer an Scrooge aus der Weihnachtsgeschichte von Charles Dickens. Scrooge, diese Geißel seiner Mitmenschen, übellaunig bis zur Gemeingefährlichkeit. Erlebt sein heiliges Wunder, als der Geist seines Kumpels Marley auftaucht, der die ewige Ruhe nicht findet, weil die Geldkoffer, die er wie Scrooge im Leben vergötterte, um seinen Hals hängen. Marley schickt Scrooge Gespenster, die ihm zeigen, wie das Leben sein könnte. Wieder geht es über Feld und Flur und Wasser, einerseits überall Menschen, die heiter sind und feiern, andererseits – Scrooge. "Es war eine große Überraschung für Scrooge, während er dem Ächzen des Windes lauschte und nachsann, was für eine feierliche Sache es war, sich durch die einsame Finsternis über einen unbekannten Abgrund hinwegzubewegen, dessen Tiefen so geheimnisvoll und unergründlich wie der Tod waren", heißt es.

Es geht in erstaunlich vielen Weihnachtsgeschichten über dünnes Eis. Um ein Letztes, oder ein Erstes. Mitten im Weihnachtsfest entflammt der standhafte Zinnsoldat in Liebe zu seiner Papierprinzessin, und beide weht es in einen Ofen hinein, sie schmelzen in Liebe. Schöne, dunkle, heitere, aufwühlende Erzählungen – sie haben unser Bild von Weihnachten geformt. Kein Wunder, dass wir alle Jahre in Unruhe verfallen und viel mehr erwarten als Tralala und Dideldu.