Allein vier der fünf stellvertretenden Vorsitzenden sind Mitglieder deutschnationaler schlagender Verbindungen; einige von ihnen, wie die Wiener Olympia, unterhalten Kontakte zu Führungsfiguren der rechtsextremen und neonazistischen Szene. Gudenus und Strache sind Mitglieder der Burschenschaft Vandalia Wien.

Enthüllungen über ihren braunen Rand begleiten die FPÖ seit ihrer Gründung 1955. Erster Vorsitzender der Partei war ein ehemaliger SS-Brigadeführer, bis heute wird sein Andenken in der Partei in Ehren gehalten. Organisationen wie das Dokumentationsarchiv des Österreichischen Widerstands oder das Mauthausen Komitee haben in mühsamer Kleinarbeit Hunderte Aussagen von FPÖ-Mitgliedern gesammelt, die auf rechtsextremes Gedankengut schließen lassen. Etwa den Glückwunsch, den ein Lokalpolitiker zu Hitlers Geburtstag postete: "Happy Birthday, Adolf!" Auch Wiens Vizebürgermeister Johann Gudenus hat gelegentlich vor einer "systematischen Umvolkung" gewarnt und "Asylbetrügern" gedroht: "Jetzt heißt es: 'Knüppel aus dem Sack!'"

Gudenus: Ich würde das wahrscheinlich heute nicht mehr sagen. Aber das wird ja völlig verkürzt dargestellt. Ich habe nie jemandem Gewalt angedroht, sondern gemeint, dass das Gewaltmonopol des Staates durchgesetzt werden muss.

ZEIT: Der Begriff "Umvolkung" stammt aus dem Nationalsozialismus.

Gudenus: Ich bin leider nicht so firm im Nationalsozialismus wie mancher Journalist oder Linkspolitiker. Aber ich nenne es heute Ethnomorphose, Bevölkerungsaustausch.

ZEIT: Wussten Sie, als Sie das sagten, nicht, woher der Begriff "Umvolkung" stammt?

Gudenus: Ich würde nie absichtlich Nazi-Jargon verwenden. Das steht mir fern, das lehne ich ab. Ich bin am 20. Juli geboren, dem Tag Stauffenbergs. Das ist natürlich Zufall. Ich finde es aber schade und intellektuell jämmerlich, dass wir uns immer noch mit diesem Thema, das wir verabscheuen und mit dem wir abgeschlossen haben, herumschlagen müssen.

Die FPÖ ist keine durchweg rechtsextreme Partei, schon gar nicht sind es ihre Wähler. Aber bis heute fallen immer wieder Parteimitglieder auf, die ein eher ungezwungenes Verhältnis zur nationalsozialistischen Vergangenheit pflegen. Auch Strache hat als junger Mann an mindestens einer Wehrsportübung teilgenommen und sich eine Zeit lang in der Neonaziszene bewegt. Doch keine noch so brisante Enthüllung hat verhindert, dass die FPÖ zu einer festen politischen Größe wurde. Auch das gehört zu ihrer irritierenden Geschichte: Je häufiger ihr die Nähe zum Rechtsextremismus vorgeworfen wurde, desto weniger ließen sich ihre Wähler davon beeindrucken.

Hat sich die FPÖ verändert? In ihrem Parteiprogramm bekennt sie sich wieder zur "Volksgemeinschaft", der Begriff ist nationalsozialistisch besetzt. Aber wer Hitler öffentlich zum Geburtstag gratuliert, wird mittlerweile ausgeschlossen. Die Forderung nach einem EU-Austritt hat die Partei fürs Erste aufgegeben; dafür stellte die FPÖ im zurückliegenden Wahlkampf die Europäische Menschenrechtskonvention infrage.

Heinz-Christian Strache versucht seit einiger Zeit, die übelsten Kanten seiner Partei abzuschleifen und Fronten, die politisch nicht mehr ertragreich scheinen, zu begradigen. Mehrfach ist er nach Israel gereist; mittlerweile legt er dort auch die Burschenschaftler-Kappe ab, die er bei seinem ersten Besuch in der Holocaust-Gedenkstätte Jad Vaschem noch getragen hatte. Vor einem Jahr veranstaltete die FPÖ unter der Frage "Haben wir aus der Geschichte gelernt?" ein Symposium zum "neuen Antisemitismus in Europa". Den Slogan "Daham statt Islam", mit dem er 2006 um Stimmen warb, würde er nicht mehr verwenden, sagt Strache.

Die Grenzen des Sagbaren innerhalb der FPÖ sind enger gefasst. Dafür sind die Möglichkeiten, politisch etwas zu bewegen, deutlich gewachsen. In der neuen Regierung stellt die FPÖ neben dem Innen- auch den Verteidigungsminister und die Chefin des Außenamts. Und in der Zuwanderungspolitik hat Kurz, der junge Kanzler, bereits im Wahlkampf viele Positionen der FPÖ übernommen.

Nur Johann Gudenus muss vorerst draußen bleiben. Österreichs Bundespräsident Alexander Van der Bellen hatte frühzeitig wissen lassen, dass er ihn nicht als Minister vereidigen würde. Zumindest er hat sich noch nicht an alles gewöhnt.