DIE ZEIT: Herr Senator, in Schulnoten ausgedrückt: Wie gut ist die Hamburger Wirtschaft für die Zukunft gerüstet?

Frank Horch: Ich würde sagen: eine glatte Zwei. In den vergangenen Jahren haben viele Menschen in der Hamburger Wirtschaft erkannt, dass wir uns auf eine sehr veränderte Zukunft einstellen müssen. Wir sind zwar noch nicht überall optimal auf dem Weg, aber der Handlungsbedarf ist erkannt.

ZEIT: In den vergangenen zehn Jahren hat sich die wichtigste Kennzahl für wirtschaftliche Leistungsfähigkeit, die Produktivität, in Hamburg so schlecht entwickelt wie in keinem anderen Bundesland. Das könnte ein Indikator sein, dass die Wirtschaft in einer tieferen Krise steckt. Sehen Sie das als Warnsignal?

Horch: Hamburg war immer Hafen, um den Hafen herum hat sich im Lauf der Jahrhunderte die gesamte Wirtschaft entwickelt. Diese Tradition ist sehr stark.

ZEIT: Der Hafen ist das Rückgrat der Hamburger Wirtschaft. Stimmt das noch?

Horch: Das stimmt, wenn man es auf die Identität der Hamburger bezieht. Der Hafen ist das, was den meisten Menschen zu Hamburg einfällt.

ZEIT: Und was ist mit der wirtschaftlichen Bedeutung?

Horch: Das ist nicht mehr so wie früher. Es gibt kein Gebiet, in dem es so dramatische Veränderungen gibt wie im globalen Handel und in der Logistik.

ZEIT: Die Stadt hat immer davon gelebt, Waren zu handeln und zu transportieren, wesentliches Geschäftsmodell war: Waren billig einkaufen und teuer verkaufen.

Horch: Das Modell wird in Zukunft so nicht mehr funktionieren. Was Hamburg stark gemacht hat, war gestern gut, ist heute auch noch gut – aber wir müssen jetzt auch nach vorne schauen.

ZEIT: Sie haben als Manager selbst Unternehmen im Strukturwandel erlebt.

Horch: Nicht gleich als Manager. Ich habe als junger Ingenieur 1976 bei Phoenix in Harburg begonnen. Das war Deutschlands zweitgrößtes Reifenwerk, 10.000 Leute haben dort gearbeitet. Davon ist fast nichts mehr übrig. Der Niedergang war sehr schmerzlich.

ZEIT: Ab 2008 waren Sie Geschäftsführer von Blohm+Voss. In den 1970er Jahren arbeiteten dort fast 9.000 Menschen. Heute sind es 750, Tendenz sinkend.

Horch: Bei Blohm+Voss hat mich der Wandel als Schiffsbauer melancholisch gemacht: Alle maßgeblichen Entwicklungen vom Segelschiff bis zum Containerschiff sind bei dieser Werft entstanden. Dort wurden so viele außerordentliche Schiffe gebaut.