DIE ZEIT: Nun, da Ihre Arbeit vorbei ist, können Sie uns ja verraten: Wo haben Sie jeweils Ihre Kolumne geschrieben?

Tito Tettamanti: Zu Hause. Die Zeiten sind vorbei, als ich Texte im Flugzeug oder in einer Flughafen-Lounge verfasst habe.

Anita Fetz: In der Regel auf dem Sofa. Ab und zu auch im Zug oder in der Wartehalle eines Flughafens. In den Ferien auch draußen unter einem schönen Baum.

ZEIT: Zu welcher Uhrzeit?

Fetz: Nie am frühen Morgen, sonst zu allen Zeiten.

Tettamanti: Sicher nicht nach acht Uhr abends oder vor neun Uhr morgens, da herrscht bei mir ein Arbeits- und Störverbot.

ZEIT: Mit welchem Schreibgerät haben Sie Ihre Texte verfasst?

Fetz: So romantisch es wäre, hier eine "Hermes Baby" oder einen Kolbenfüllfederhalter mit einer generationenalten Familiengeschichte zu erwähnen: Das Thema habe ich mit einem Kugelschreiber auf Papier skizziert und die Kolumne dann auf dem Laptop geschrieben.

Tettamanti: Sehr altmodisch von Hand. Mit einem der vielen Kugelschreiber, die ich jeweils in den Hotels mitnehme.

ZEIT: Wie fanden Sie Ihre Ideen?

Tettamanti: Oft beim Lesen, und oft kamen Sie mir als Reaktion darauf, was ich auf der Bühne des komisch-tragischen menschlichen Theaters beobachtet habe.

Fetz: Mehrheitlich gut bis sehr gut. Nein, im Ernst: überall. In Gesprächen, beim Lesen oder auch einfach beim Blick aus dem Fenster eines fahrenden Zugs. Und wenn mich etwas besonders genervt oder geärgert hat, dann wusste ich, dass ich spätestens ins zwei Wochen in meiner Kolumne zuschlagen kann.

ZEIT: Frau Fetz, was haben Sie von Tito Tettamanti gelernt?

Fetz: Wie man bis ins hohe Alter fit, weltläufig und belesen bleiben kann. Respekt!

ZEIT: Und Sie, Herr Tettamanti, welche Erkenntnis haben Sie Frau Fetz zu verdanken?

Tettamanti: Dass auch Linke, wenn sie von Finanzen sprechen, seriös argumentieren und gut vorbereitet sein können.

ZEIT: Wann haben Sie sich wegen des jeweils anderen Kolumnisten genervt?

Tettamanti: Ein Kapitalist darf sich nicht nerven lassen. Aber es war hart, als ich feststellen musste, dass Frau Fetz in gewissen Punkten recht hatte, sodass es für mich schwierig war, meine Ideen zu verteidigen.

Fetz: Ich habe mich kaum über Herrn Tettamanti geärgert. Im Gegenteil, ich habe ihm manche Anregung zu verdanken – und darüber hinaus einiges über das Tessin und dessen Befindlichkeiten gelernt. Nur einmal griff er meiner Ansicht nach radikal zu kurz. Er hatte geargwöhnt, "dass linksorientierte Kräfte den helvetischen Kompromiss gekündigt haben", was schlicht falsch ist. Meine darauf folgende Kolumne schrieb ich deshalb als Replik auf ihn.

ZEIT: Was hat Herr Tettamanti einfach nie begriffen?

Fetz: Herr Tettamanti begreift mühelos. Er zieht einfach oft andere Schlüsse als ich. Vielleicht hatte Marx doch recht, als er schrieb: Das Sein bestimmt das Bewusstsein.

ZEIT: Und was hat Frau Fetz nie begriffen, Herr Tettamanti?

Tettamanti: Dass sie eine erstklassige, kosmopolitische Managerin und Kapitalistin hätte sein können. Stattdessen hat sie sich für ein Leben im staubigen Ständeratssaal entschieden.

ZEIT: Welche Reaktion auf Ihre Kolumnen hat Sie besonders gefreut? Welche besonders geärgert?

Tettamanti: Anfangs gab es einige böse Briefe, weil die ZEIT einen üblen Kapitalisten wie mich schreiben ließ. Es hat mich gefreut, wie gelassen die Redaktion darauf reagiert hat. Wenn ich richtig informiert bin, haben sich mit den Jahren die Aversionen gegen meine Texte stark gemildert. Das bringt mich ins Grübeln: Vielleicht bin ich nicht mehr ein genügend kämpferischer Kapitalist.

Fetz: Die Blumensträuße und die interessanten Bücher, die ich erhalten habe. Die kritischen Feedbacks waren immer differenziert, was ja heutzutage keine Selbstverständlichkeit mehr ist.