I. Ordentlich: Paul Klee

Ordnung muss sein. Auch im Werk eines Künstlers. Mancher hat das selbst erkannt und ordentlich ein Werkverzeichnis geführt. So hat Paul Klee jedes Bild, das er gemalt, jedes Blatt, das er gezeichnet hat, in einer Liste mit Titel und Datum festgehalten. Neun Bände umfasst sein Werkverzeichnis.

II. Bohemien: Amedeo Modigliani

Manche Künstler geben sich gern als Bohemien. Sie leben unkonventionell in den Tag hinein, verkaufen, verleihen, verschenken, was sie geschaffen haben – und haben keinen Überblick, was von ihren Arbeiten wo abgeblieben ist, wer es gehandelt, wer es ausgestellt hat, wer es besitzt. Das ist für Amedeo Modigliani typisch. Deshalb haben sich immer wieder Galeristen und Kunsthistoriker darangemacht, eine Übersicht seiner Gemälde zusammenzustellen, den sogenannten Catalogue raisonné. Fünf sind es inzwischen, ein sechster ist in Arbeit. Und jeder Autor wirft seinem Vorgänger vor, auf Fälschungen hereingefallen zu sein, Originale nicht erkannt zu haben.

III. Geirrt: Werner Spies

Solche Fehlurteile kommen vor. Das belegen die Expertisen von Werner Spies, der im Fall Beltracchi Max-Ernst-Fälschungen adelte, indem er sie ins umfangreiche Verzeichnis aufzunehmen versprach. Haftbar konnte er jedoch nicht gemacht werden: Was in Werkverzeichnissen steht, was ein Experte mitteilt, gilt juristisch nur als Meinungsäußerung, nicht als unanfechtbarer Beweis für die Echtheit.

IV. Dilemma: Echt oder falsch?

Trotzdem gibt es immer wieder Prozesse, mit denen Besitzer von zweifelhaften Werken per Gerichtsurteil gegen das negative Urteil des Fachmannes vorgehen. Sie wollen so die Aufnahme in den Catalogue raisonné erzwingen, um das Objekt wertvoller zu machen. Erfolgreich war damit bislang noch keiner. Trotzdem bleibt es ein schwieriges Unterfangen, zwischen "echt" und "falsch" zu unterscheiden. "Es ist leicht zu sagen, etwas ist eine Fälschung. Aber es ist schwierig zu beweisen, dass es keine ist", hat deshalb einmal Anne Distel, die Chefkuratorin des Musée d’Orsay in Paris, angemerkt.

V. Geschönt: Gerhard Richter

Zu den wenigen Künstlern, die zu Lebzeiten einen sehr ausführlichen Catalogue raisonné führen, zählt der deutsche Künstler Gerhard Richter. Jedoch mit einem Schönheitsfehler: Nr. 1 ist der Tisch von 1962. Was er vorher entstand – unter anderem Linientreues seiner Dresdener Zeit –, aber auch rund 200 spätere Bilder, die er nicht mehr als meisterwürdig ansieht, fehlen im Werkverzeichnis.