Das eine ist es, Hoffnungsträger zu werden – das andere, einer zu bleiben. Wie schwierig Letzteres sein kann, spürt Michael Kretschmer, kaum dass er von Sachsens Landtag vorige Woche zum CDU-Regierungschef gewählt wurde: Aus dem Hoffnungs- ist ein Verantwortungsträger geworden. Wenn da plötzlich Druck von allen Seiten kommt, neigt man schnell dazu, nicht die mutige Entscheidung zu treffen. Sondern die Sicherheitslösung zu wählen.

Das ist Kretschmer passiert: Am Montag erklärte er, gerade fünf Tage im Amt, dass er sein Kabinett umbilden und bei der Gelegenheit den Kultusminister entlassen werde. Das sieht auf den ersten Blick mutig aus, ist aber das Gegenteil davon. Weil es mutig gewesen wäre, diesen Kultusminister, Frank Haubitz, im Amt zu halten.

Haubitz war erst vor zwei Monaten ernannt worden. Und er war gemeinsam von Kretschmer und seinem Vorgänger Tillich selbst als so etwas wie ein politischer Punk gecastet. Ein Schulleiter, parteilos, ein raubeiniger Mann, der den Lehrermangel bekämpfen sollte. Schon seine Nominierung war ein Zeichen: Hier wird nun manches anders! Aber Haubitz trat der CDU-Fraktion eben zu revoluzzermäßig auf. Er forderte lautstark, dass Lehrer verbeamtet werden müssten. Das kostete ihn nun den Job.

Die Entlassung schadet Kretschmers Status – seinem Status als Hoffnungsträger. Denn ist sie nicht ein Zugeständnis an die machtbewusste CDU-Fraktion, die über Haubitz’ Pläne not amused war – der aber auch jedes Punk-tum abgeht? Wie zur Bestätigung wurde ein freundlicher Fraktionär Haubitz’ Nachfolger, Christian Piwarz.

Unrevolutionär sind auch Kretschmers weitere Personalentscheidungen: Innenminister Markus Ulbig ersetzt er durch Roland Wöller, der von 2008 bis 2012 schon mal als Kultusminister amtierte. Finanzminister Georg Unland, dem vorgeworfen wurde, nicht politisch genug zu sein, lässt Kretschmer ausgerechnet einen Mann aus der Ministerialbürokratie nachfolgen – Matthias Haß, bisher Abteilungsleiter im Bundesfinanzministerium. In Kretschmers neuem Kabinett gibt es übrigens sieben CDU-Männer und nur eine CDU-Frau.

Das ist keine Revolution.

Aber vielleicht ist Kretschmer auch nur subversiv? Und hat sich nur ein unauffälliges Umfeld geschaffen, damit ihm selbst keiner die Show als Hoffnungsträger stiehlt.