Menschen waren tatsächlich auf dem Mond. Das ist zwar lange her, aber es existieren Videoaufnahmen. Neben Buster Keatons Filmen sind sie die großartigsten Beispiele von Slapstick, die der Menschheit bislang gelungen sind. Dick gepanzerte Traummännlein hüpfen in steiniger Ödnis umher, fallen auf den Bauch, zappeln für einen Augenblick däumlingshaft und hilflos, richten sich auf, lassen alle Gerätschaften fallen, müssen sich staunend überlegen, wie sie sie aufheben und ob das überhaupt möglich ist, dann verfallen sie, guter Gott, sogar ins Hüpfen, und mit jedem ihrer Sprünge quellen winzige Staubwolken auf.

In einem Interview, das in dem Sammelband Strong Opinion s (1973) zu finden ist, antwortete Vladimir Nabokov auf die Frage, ob er von der Mondlandung der Apollo 11 beeindruckt gewesen sei: "Oh, ›beeindruckt‹ ist nicht das richtige Wort! Den Boden des Mondes zu betreten verschafft einem, so stelle ich mir vor (oder eher: stellt mein projiziertes Ich sich vor), den stärkstmöglichen romantischen Kitzel, der je in der Geschichte menschlicher Entdeckung empfunden wurde. Selbstverständlich habe ich mir ein TV-Gerät gemietet, um jeden Augenblick dieses herrlichen Abenteuers zu verfolgen. Welch ein wunderschöner Anblick war dieses zarte kleine Menuett, das die beiden Männer trotz ihrer uneleganten Anzüge zur Melodie lunarer Gravitation tanzten."

In der Tat kann man sich Mondastronauten gar nicht anders als aktiv denken. Sie sind geradezu der Inbegriff von konzentrierter, aller irdischer Ablenkung enthobener Arbeit. Ihre Zeit auf der Mondoberfläche ist schließlich begrenzt, es gibt unvorstellbar viel zu lernen und zu erledigen, außerdem setzt der außerirdische Aufenthaltsort den Organismus vor ungewohnte Herausforderungen. Das Herz eines Astronauten wird kleiner. Seine Tränendrüsen funktionieren nicht mehr. Rülpsen kann er auch nicht. Und durch die außerordentlich hohe kosmische Strahlung sieht er, selbst bei geschlossenen Lidern, Blitzlichter und helle Punkte – ähnlich den flackernden Kamerabildern aus der Stadt Pripjat, die kurz nach der Katastrophe von Tschernobyl gemacht wurden.

Und doch gab es Menschen, deren Aufgabe es war, sich Astronauten nicht aktiv, sondern schlafend vorzustellen. Ihnen war daran gelegen, dafür zu sorgen, dass die Männer ausreichend Ruhephasen einhielten, dass sie ihre Augen schlossen und friedlich dahindämmerten.

Bereits für die Apollo-11-Mission war eine kurze Schlafphase vorgesehen. Insgesamt dauerte der Aufenthalt auf der Mondoberfläche 22 Stunden. Ursprünglich sollten Neil Armstrong und Buzz Aldrin unmittelbar nach der Landung etwas essen, dann für vier Stunden schlafen gehen, aufwachen, ein Frühstück einnehmen und erst dann draußen im Mondsand Geschichte schreiben. Aldrin bemerkt in seiner Autobiografie, wie albern und weltfern diese Entscheidung gewesen sei. "Wir waren gerade auf dem Mond gelandet, und es war noch viel Adrenalin in unseren Adern. Uns zu befehlen, schlafen zu gehen und erst dann die EVA (die Außenbord-Aktivitäten, Anm. d. Red.) zu unternehmen, ist so, als würde man Kindern am Weihnachtstag sagen, dass sie bis Mittag im Bett bleiben müssen." Armstrong stellte eine formelle Anfrage, die vorgeschriebene Schlafenszeit zu überspringen. Dem wurde nachgegeben, und er durfte hinaus.

Aber die beiden entkamen trotz allem nicht der verordneten Nachtruhe. Nach der Mondbegehung war es so weit. Die beiden verwendeten keinerlei Schlafmittel, aber Aldrin schluckte eine Aspirintablette. Armstrong fand keinen Schlaf in der äußerst engen Koje, in der er, in seinem Raumanzug eine annähernde Fötusstellung einnehmend, es sich irgendwie bequem machen musste. Und obwohl Sonnenschutzfolien über die Luken gezogen waren, glühte die von der Sonne hell erleuchtete Mondoberfläche die ganze Zeit in die Landefähre hinein. Ich versuche manchmal, mir dieses Glühen vorzustellen. Es existiert ja nicht auf der Erde. Es ist möglich, dass ich es einmal gesehen habe, bei einer extremen visuellen Migräneaura, bei der mir auch die Fähigkeit, Wörter zu lesen, abhanden kam.

Nachdem sich Armstrong endlich ein wenig an den rhythmischen Lärm der lebenserhaltenden Pumpen und an das unvorstellbare Glühen gewöhnt hatte, ging ihm allerdings etwas anderes auf die Nerven: "Mir fiel auf, dass mir etwas direkt ins Auge schien. Es stellte sich heraus, dass es die Erde war, die durch das AOT (die Ausrichtung des optischen Teleskops, Anm. d. Red.) direkt in mein Auge leuchtete. Sie war wie eine Glühbirne." Angesichts solcher Berichte verstummt man schnell. Immerhin denke ich nun jedes Mal, wenn nachts der nadeldünne Lichtstrahl durch den Türspion in mein Hotelzimmer fällt, an die apfelgroße Erde, die dem im Sonnensystem herumstrolchenden Armstrong ihr heimatliches Licht nachsandte und ihn daran erinnerte, woraus er bestand.