Die neue Kostenexplosion beim Bahnhof Stuttgart 21 war für Insider wenig überraschend. Dennoch fühlte sich die Öffentlichkeit getäuscht. Wie sollte es auch anders sein. Von Anfang an fehlte es beim Bau an der notwendigen Transparenz. Auf allen Ebenen, in den Bundes- und Landesministerien, bei der Deutschen Bahn und in vielen Behörden, wurden Fakten und Risiken systematisch unterschätzt. Dieses Verhalten gefährdet das Fundament unserer demokratischen Ordnung.
Der Skandal um Stuttgart 21 hat einen langen Vorlauf: 2002 meldete die Deutsche Bahn an die damalige Landesregierung in Stuttgart, dass die öffentlich genannten Kosten von rund drei Milliarden Euro nicht realistisch seien. Doch der Hinweis blieb auf Wunsch des damaligen CDU-Ministerpräsidenten geheim, obwohl bereits Kosten von über sechs Milliarden Euro für realistisch gehalten wurden. So auch 2009 vom Chef der Stuttgarter Projektleitung. Er wiederum wurde vom damals verantwortlichen Infrastrukturchef der Bahn zum Schweigen verdonnert und verlor letztlich seinen Posten.