Die rumänische Polizei hat Ermittlungen zu antisemitischen Parolen am Geburtshaus des verstorbenen Friedensnobelpreisträgers Elie Wiesel aufgenommen. In der Nacht zu Freitag waren judenfeindliche Kommentare in Neonpink gekritzelt worden. Unter anderem war zu lesen, Wiesel sei "in der Hölle mit Hitler". Die Behörden ließen sie schnell entfernen.

Das Haus des Holocaust-Überlebenden in der Stadt Sighetu Marmației im Nordwesten Rumäniens ist ein geschütztes historisches Denkmal.

Elie Wiesel und seine Familie waren im Mai 1944 zusammen mit 14.000 Juden aus seiner Geburtsstadt ins Konzentrationslager Auschwitz deportiert worden. Wiesels Mutter und seine jüngere Schwester starben dort, Wiesel und seine zwei älteren Schwestern überlebten.

Der Schriftsteller starb 2016 im Alter von 87 Jahren in New York; er war in den 1960er-Jahren in die USA übergesiedelt und wurde amerikanischer Staatsbürger. Sein Buch Die Nacht basiert auf seinen Erfahrungen in den Vernichtungslagern Auschwitz und Buchenwald. Es erzählt von Verbrechen der Nazis. 1986 erhielt Wiesel den Friedensnobelpreis für seinen vorbildlichen Kampf gegen Rassismus und Gewalt.

Die rumänische Gruppe für die Beobachtung und den Kampf gegen Antisemitismus bezeichnete das Graffiti als Akt des Vandalismus gegen das "Gedächtnis von Elie Wiesel, das Gedächtnis der Holocaust-Opfer und die Seelen der Holocaust-Überlebenden". Das Elie-Wiesel-Nationalinstitut für Studien des Holocaust in Rumänien forderte eine gründliche Untersuchung. Präsident Klaus Iohannis und die Regierung hätten zugesagt, gegen Antisemitismus und das Leugnen des Holocaust zu kämpfen.

Rumänien deportierte während des Zweiten Weltkriegs 150.000 Juden und 25.000 Roma in Nazi-Konzentrationslager. Das Land wurde Anfang der 1940er-Jahre von dem Nazi-Anhänger und Diktator Ion Antonescu regiert.