Wählerwanderung bei der Landtagswahl 2018 in Bayern

Unsere Auswertung der Wählerwanderung auf Basis der Daten des Wahlforschungsinstituts infratest dimap zeigt überraschende Entwicklungen in Bayern. Scheinbar hat die CSU, die zum Ende des Wahlkampfs noch die AfD zu ihrem klaren politischen Gegner auserkoren hat, die wahre Gefährdung übersehen: die Grünen. Demnach hat die CSU in der Landtagswahl am Sonntag im Vergleich zur Bayernwahl 2013 zwar 160.000 Wähler an die AfD verloren, aber gar 190.000 an die Grünen. An die Partei also, die man jahrelang als "unbürgerlich" zu schmähen versuchte. 

Selbst am Wahlabend sprach Ministerpräsident Markus Söder von einer bevorzugten "bürgerlichen Koalition" – und meinte damit ausdrücklich kein Bündnis mit den Grünen, sondern eines mit den Freien Wählern. An diese Partei verlor die CSU am meisten Wähler, nämlich 220.000. Die Freien Wähler waren offenkundig eine gute Alternative für konservative Wähler, die sich vom Zickzackkurs der Regierungspartei enttäuscht fühlten, denen die AfD wegen ihrer mangelnden Abgrenzung zu Rechtsextremen und Neonazis aber zu rechts steht. Nur weil umgekehrt 60.000 Menschen, die vor fünf Jahren den Freien Wählern ihre Stimme gaben, zur CSU wechselten, fällt das Saldo geringer aus.

Auch 20.000 ehemalige Grünen-Wähler machten diesmal ihr Kreuz bei den Christsozialen. Selbst eine beachtliche Zahl bisheriger SPD-Wähler, immerhin 150.000, konnte die CSU an sich ziehen – ein Zeichen für die Krise der Sozialdemokraten. Wohin hat die SPD noch Wählerstimmen verloren? Immerhin ein Viertel der SPD-Wähler, die dieses Mal eine andere Partei bevorzugten, ging an die CSU; knapp 40 Prozent wechselten zu den Grünen. Von allen, die noch 2013 die SPD wählten, blieben bloß noch 36 Prozent der Partei treu. Nur bei der FDP war der Wert noch niedriger (32 Prozent).

Die SPD ist von den jetzt ins Maximilianeum einziehenden Parteien auch diejenige, der es am wenigsten gelang, Nichtwähler zu mobilisieren. Am besten gelang es der CSU: 340.000, die vor fünf Jahren noch der Wahl fern blieben, wählten die Christsozialen – dagegen nur 140.000 die Grünen und 180.000 die AfD.

Allerdings macht das Altersprofil der klassischen CSU-Wähler es der Partei nicht leicht: 240.000, die beim letzten Mal noch die CSU gewählt haben, sind mittlerweile verstorben. Das machen die 90.000 Erstwähler, die ihr die Stimme gaben, bei Weitem nicht wett.

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