1.

Von San Francisco über die Golden Gate Bridge nach Norden, auf atemraubenden Serpentinen an der Küste entlang, die Luft duftet nach Eukalyptus, Nebel und Meer, der Pazifik rollt und tobt, und dann senkt sich der Highway sanft hinab zu einer Sichel aus Wellen und Sand: Stinson Beach, der schönste Strand von Nordkalifornien. Im Rollen der Brecher ahnt man den Herzschlag der Schöpfung.

Heinrich Wefing

2.

Schön war das Land schon immer – jetzt macht die Reise noch mehr Spaß: Mugabe ist endlich fort, Simbabwe hofft auf Freiheit und Demokratie. Auf in den Nationalpark Matopos mit seinen kugelrunden Felsen und den Höhlenmalereien der Buschmänner. In den Hwange-Park, durch den die letzten großen Elefantenherden Afrikas ziehen. In die charmante Stadt Bulawayo. Und zu den gigantischen Victoria-Fällen.

Andrea Jeska

3.

Zu Hause wird Schnee zu Matsch, Skiurlaub ist teuer, Island voller Touristen? Auf nach Lappland, wo die Finnen wohnen, die, wenn sie gerade nicht melancholisch in die Ferne blicken, echt lustig sind. Die Bleche voll Pfannkuchen backen, Sauna-Wanderungen veranstalten und Salmiakki, Lakritz-Schnaps, servieren. In der Gegend um den Ort Tornio sieht man Nordlichter. Wie in Island, nur ohne Touristen.

Nina Pauer

4.

Manchmal unterschätzt man ein Reiseziel, seine geografische Größe und kulturelle Tiefe, vor allem Inseln. So ging es uns im Herbst auf Sizilien. Wir sahen Taormina, bestiegen den Ätna, besichtigten Katakomben in Syrakus, wateten durch die Alcantara-Schlucht ... Sieben Tage voller Erleben – und voller Verpassen. Denn da ist doch auch noch das prächtige Palermo! Und das Mafia-Nest namens Corleone! Und dieser irre Orangensalat mit Zwiebeln und Oliven, den wir gern noch mal essen würden. Deshalb fahren wir 2018 wieder hin.

Henning Sußebach

5.

Ein berühmter Haiku lautet: Wenn ich in Kyoto bin, träume ich von Kyoto, und tatsächlich träume ich jedes Mal, wenn ich dort bin, schon vom nächsten Mal: vom baldigen Wiedersehen mit den Kranichen, von den fantastischen Tofumenüs, von den 1.000 Tempeln. Am besten kommt man gleich für drei Wochen, zur Kirschblüte im März oder im November, wenn das Herbstlaub fällt. Dann gondelt man auf dem Fahrrad gemütlich von einem Tempel zum nächsten, haucht ergriffen oh und ah und denkt: Wenn ich in Kyoto bin, träume ich von Kyoto ...

Doris Dörrie

6.

Ich werde mich von der sanften Strömung der Aare durch Bern tragen lassen. So, wie es die Schweizer tun, wenn die Sonne scheint und es heiß ist. Am Schönausteg springe ich ins Wasser, lasse mich zum Freibad Marzili treiben, gehe ans Ufer, trinke ein Bier. Und dann? Laufe ich den Kilometer zurück und beginne von vorn.

Sascha Chaimowicz

7.

Wer in Pierre Bergés Buch Briefe an Yves vom Duft der Bougainvillea liest, von der Schönheit der Amaryllis, dem Rascheln der Palmen, will den Jardin Majorelle sofort selbst besuchen. In ihrem Haus in Marrakesch haben Bergé und der Modeschöpfer Yves Saint Laurent ihre glücklichsten Jahre erlebt. Hier sind sie feiernd in Kutschen durch die Medina gezogen, zusammen mit einem von Haschkugeln benebelten Andy Warhol, haben Kunst gesammelt und selbst welche geschaffen. Im nagelneuen YSL-Museum werden jetzt die schönsten Kollektionen gezeigt, direkt neben dem Garten mit der Bougainvillea. Sie blüht im Frühjahr.

Fabienne Hurst

8.

Kamtschatka ist 7.000 Kilometer und elf Zeitzonen entfernt von Moskau. Größer als Deutschland, aber mit weniger Einwohnern als Leipzig. Dort spucken Vulkane Feuer, und die Erde speit Geysire. Die Wälder sind dicht, die Bergseen kristallklar. Sollen doch alle zur WM fahren – ich will 2018 endlich nach Kamtschatka.

Alice Bota

9.

Prinzipiell gut: Vulkane. Noch besser: schläfrige Vulkane. Auf Lanzarote kann man von ihren Hängen herunterblicken, auf ein paar weiße Häuschen, auf ein wenig rostbraunes Geröll. Kann spüren, wie sich die überspannten Augen vom Betongrau der Stadt erholen, hören, wie Eidechsen motzen oder möglicherweise kanarische Lyrik rezitieren und nicht mehr die Straße rauscht, sondern nur noch das Meer.

David Hugendick

10.

Gerade wieder vergessen, warum das Leben noch mal schön ist? Dann müssen Sie nach Yaffa, Tel Avivs altem Hafenviertel, fünf Tage reichen. Hier spielen die Alten morgens auf der Straße Schach, die Jungen feiern abends auf der Straße Partys, und nachts gackern auf den Balkonen die Hühner. Auf Jaffas Promenade posieren arabische Hochzeitspaare beim Fotoshooting, und junge Israelinnen stählen ihre Muskeln. Man kann sich an den besten Strand der Welt legen oder durch die Gassen streifen, wo Araber und Juden friedlich um den Preis für Sechziger-Jahre-Plattenspieler feilschen und Modeverkäufer mit einem darüber streiten, ob man Auschwitz gesehen haben muss oder doch eher Berlin.

Anita Blasberg