Es gibt viele Gründe, warum Kinder Smartphones toll finden: Spiele wie Candy Crush oder Color Switch zocken, Fotos von schönen oder witzigen Situationen machen, Musik hören und sich mit Freunden Nachrichten schicken. Sieben von zehn Kindern in Deutschland sagen, dass sie sich sehr für Handys interessieren. Und viele von denen, die noch kein eigenes Gerät besitzen, wünschen sich eins. Das haben Forscher herausgefunden, die regelmäßig Kinder und Eltern zu Medien befragen. Sie erfuhren auch, dass viele Kinder ein eigenes Handy oder Smartphone bekommen, wenn sie zehn oder elf Jahre alt sind. Also dann, wenn sie in die fünfte Klasse kommen. Drei von vier Kindern in diesem Alter besaßen im Jahr 2016 ein eigenes Gerät.

Doch ist das ersehnte Teil endlich da, merken viele schnell, dass so ein Handy auch nerven kann. Manche Kinder sind von dem dauernden Geblinke und Gepiepe sogar richtig gestresst. Erwachsene überlegen sich deshalb gern Regeln: Mehr als die Hälfte aller Jungen und Mädchen, die ein Gerät besitzen, bekommen von den Eltern eine Vorgabe, wie lange und wie oft und wofür sie es benutzen dürfen. Auch das haben die Forscher herausgefunden.

Die Erwachsenen meinen es gut, klar, aber welche Ideen haben Kinder selbst? Und wovon sind sie überhaupt genervt? Um das herauszufinden, haben wir den Test gemacht und mit Fünftklässlern gesprochen. Die Zehn- und Elfjährigen haben sich nicht nur viele Gedanken über ihre Handys gemacht, sie haben auch gute Tipps, was man tun kann, wenn einem etwas zu viel wird.

Nervfaktor 1: Werbepausen

Beim Spielen auf dem Smartphone blinken oft irgendwo bunte Fenster auf. Manchmal schieben sich ganze Seiten ins Bild und lassen sich nur mühsam wieder wegklicken. Oder man muss ein Video ansehen, um überhaupt weiterspielen zu können. Hat man nicht gerade Zugang zu einem WLAN, kann das eine Menge Datenvolumen fressen. Durch solche Werbung kann man etliche Spiele-Apps kostenlos herunterladen, was viele gern tun. Genervt sind sie trotzdem. Severin, elf Jahre, nicht, der schaltet sein Smartphone beim Spielen nämlich in den Flugmodus. So kappt er die Verbindung zum Internet, und es können keine Bilder und Videos mehr auf das Handy gesendet werden. Das funktioniert nicht bei allen Spielen, aber bei vielen. Ein guter Trick, um in Ruhe zu daddeln – und Datenvolumen spart es noch dazu.

Nervfaktor 2: Nachrichten ohne Ende

Eine Menge Kinder finden es anstrengend, dass sie so viele WhatsApp-Nachrichten bekommen. Allein in einem Klassenchat trudeln da gern mal hundert Texte ein. Jeden Tag! Und sogar nachts schreiben manche Kinder noch. Nervig daran ist vor allem, dass viele Nachrichten komplett unwichtig sind. Ständig brummt das Handy, nur weil wieder jemand "Hey!" in die Gruppe getextet hat. Und jedes Mal ist man abgelenkt, zum Beispiel von den Hausaufgaben. Denn die Nachrichten gar nicht anzusehen ist auch schwer. Was, wenn es nun doch mal eine wichtige Mitteilung ist?

Der zehnjährige Thorben hat eine gute Methode gegen den Nachrichten-Irrsinn: Er schreibt den Viel-Textern einfach, dass sie nicht so viel schreiben sollen. "Wenn das nicht hilft, mach ich mein Handy aus", sagt er. Ein anderer guter Tipp: gemeinsam in der Klasse darüber sprechen. Wenn man einmal deutlich sagt, was nervt, können es alle begreifen – und dann gemeinsam Regeln aufstellen. Zum Beispiel, dass keiner nach 20 Uhr abends und vor 7 Uhr morgens Nachrichten in den Klassenchat verschicken darf. Damit Thorben nachts in jedem Fall seine Ruhe hat, gibt er noch einen ganz simplen Trick: das Handy einfach nicht mit ins Zimmer nehmen.

Nervfaktor 3: Gruselige Kettenbriefe

Über WhatsApp trudeln nicht nur viele unwichtige Nachrichten ein, sondern manchmal auch fiese Kettenbriefe. In denen steht, dass etwas Schlimmes passiert, wenn man diese Briefe nicht weiterschickt. Dass das Quatsch ist, wissen die meisten Kinder zwar, Angst können einem solche Nachrichten trotzdem machen.

"Sofort löschen!", rät Britta, elf Jahre. Außerdem schreibt sie der Person, die ihr den Kettenbrief geschickt hat, eine Nachricht, dass sie das künftig sein lassen soll. Wenn die Kinder untereinander keine Lösung finden, sollte man mit einem Erwachsenen sprechen, mit den Eltern oder einem Lehrer. So macht es die zehnjährige Franca. Sie gibt ihren Eltern immer dann Bescheid, wenn ihr etwas komisch vorkommt oder ihr unheimlich ist. Manche Kinder hören einfach eher auf das, was ein Erwachsener ihnen sagt oder fordert. "Und wenn sie dann immer noch nicht aufhören", sagt Franca, "blockiere ich sie."

Nervfaktor 4: Immer "on"

Hin und wieder eine Pause vom Smartphone, das wünschen sich einige Kinder. Ein paar Stunden, in denen sie sich mal auf etwas anderes konzentrieren oder draußen unterwegs sein können, ohne dass ständig das Handy piept. Doch es ist gar nicht so einfach, sich von den kleinen Geräten zu befreien. Viele Kinder, die zum Test mal einen Tag aufs Handy verzichten wollten, haben es nach ein paar Stunden doch wieder aus der Tasche gezogen: weil es ein neues Video gab, das sie unbedingt sehen wollten, zum Beispiel. Britta trickst sich deshalb manchmal selbst aus: "Ich mache den Akku leer und lege das Handy in eine chaotische Kiste", sagt sie. Und Jesper, zehn Jahre, nutzt die Ferien zum Handyfasten: Wenn er in den Urlaub fährt, bleibt sein Gerät einfach zu Hause.