Seit einiger Zeit habe ich einen neuen Bekannten. Persönlich bin ich Oliver noch nie begegnet, doch ich wünschte mir, ich hätte ihn bereits früher kennengelernt. Meine Kinder dagegen hassen ihn. Denn Oliver arbeitet bei Screentime, einer App, die Eltern hilft, den Smartphone-Konsum ihrer Kinder zu begrenzen. Ab und zu schickt Oliver mir und anderen Kunden eine Nachricht und erklärt uns, wie man die App am besten nutzen kann.

Der Streit über die Handyzeit, über das Genug und das Zuviel, gehört in unzähligen Familien zum Alltag. Wenn der Vater meint, das Kind solle das Gerät doch endlich einmal zur Seite legen, entgegnet dieses, es habe mit dem Spielen doch gerade erst angefangen. Digitale Helfer wie Screentime beenden den Dauerkonflikt. Die App registriert jede Aktivität auf dem Handy des Kindes und zeigt sie auf dem Bildschirm der Eltern an – Minute für Minute, Programm für Programm. Ist die eingeräumte Zeit für Facebook, YouTube oder Clash Royale abgelaufen, wird automatisch gesperrt. Dann können die Kids mit ihrem Telefon nur noch tun, was sie am wenigsten tun wollen: telefonieren.

Solche Erziehungshelfer kosten Geld. Aber es könnte sein, dass iPhone-Besitzer eine derartige App bald gratis auf ihrem Handy finden – und zwar gegen den Wunsch von Apple. Denn zwei Großinvestoren des Konzerns haben die Firma in einem offenen Brief aufgefordert, den Eltern mehr Möglichkeiten zu geben, Apple-Produkte pädagogisch sinnvoller zu nutzen. Sie verweisen dabei auf die "ungewollten Folgen" der neuen Smartphone-Technik, die vor elf Jahren mit dem iPhone in die Welt gekommen ist.

Noch kann man nicht abschließend sagen, was die Smartphonisierung wirklich für Mensch und Gesellschaft bedeutet (ZEIT Nr. 46/17). Es wächst jedoch die Zahl der Studien, welche die negativen Begleiterscheinungen gerade für Kinder und Jugendliche dokumentieren. Sie schlafen weniger und können sich schlechter konzentrieren als vorherige Generationen. Womöglich fördert der altersspezifische Hang, sich über soziale Medien ständig zu vergleichen, die Anfälligkeit für Depressionen.

Bisher haben Software- und Hardware-Hersteller alle Hinweise auf die "Suchtgefahr" digitaler Medien stets mit dem Hinweis auf die Selbstverantwortung der Nutzer abgeschmettert. Wer genug habe, solle das Gerät doch einfach zur Seite legen. Das ist verlogen, sind doch Geräte wie Applikationen genau auf das Gegenteil programmiert.

Gerade Kinder und Heranwachsende brauchen beim Abschalten Hilfe – und sei es, dass man ihnen von fern den digitalen Stecker ziehen kann. Apple sollte das zur Grundfunktion machen. Und die anderen Hersteller genauso. Millionen von Eltern wären dankbar dafür.