Das Auktionshaus Nagel sitzt in Stuttgart und ist ein Unternehmen mit Tradition und Geschichte. Seit 1922 versteigert es historische Möbel, Silber und Gemälde diverser Epochen. Bloß Asiatika sind nicht länger im Programm: Nagel hält seine Auktionen für chinesisches Porzellan oder japanische Lackarbeiten seit vergangenem Jahr in Salzburg ab. Das passt, könnte man denken, schließlich ziehen die Salzburger Festspiele, vor allem aber Mozart und sein Geburtshaus, jährlich rund 300.000 Touristen aus dem asiatischen Raum an. Asiatika werden vor allem von Sammlern aus asiatischen Ländern gekauft. 1,8 Millionen Euro bot einer von ihnen zuletzt für eine Vase – dabei hatten die Experten von Nagel den Wert des Objekts auf höchstens 3.000 Euro geschätzt. Hat das Haus also alles richtig gemacht, als es sich für Salzburg entschied?

Rainer Kämmerer, der Pressesprecher von Nagel, winkt ab. Man habe keine andere Wahl gehabt, sagt er mit Blick auf das deutsche Kulturgutschutzgesetz und dessen Nivellierung. Seit Sommer 2016 müssen Kunsthändler in Deutschland nachweisen, wer die Objekte aus Asien wann wohin importiert hat – und das über Jahrhunderte. Nagel könne das nicht, sagt Kämmerer. Und dass aus der Unsicherheit eine kreative Lösung erwachsen sei: die Eröffnung einer Repräsentanz im Ausland. Österreich habe die europaweiten Richtlinien für den Handel mit Kunst weniger streng ausgelegt. Und Salzburg sei nicht nur ein nahes Ziel für Sammler aus München, Wien oder Stuttgart, sondern auch ein "gutes Pflaster" mit vielen neuen Kunden. Weshalb vielleicht schon bald mit weiteren Verlagerungen zu rechnen ist. Auch wertvolle Armbanduhren versteigert das Auktionshaus bereits in Österreich.