Luna Schweiger kaut Kaugummi und sieht dabei aus, als sei der Kaugummi eigens für sie und diesen Abend erfunden worden. Ich bin lässig, ich bin cool, und ich langweile mich, verdammt noch mal, wie ich hier in einer Filiale der Caféhauskette Campus Suite hinter einer Regalwand, befüllt mit Süßigkeiten und anderem Schnickschnack, herumstehe, um irgendwann mal auf den roten Teppich zu dürfen. Dies ungefähr drückt das Kaugummikauen von Luna Schweiger aus.

Dazu zieht sie sich immer mal wieder eine Haarsträhne lang. Auch so eine Geste, um Ennui darzustellen: Haare glatt ziehen, die schon glatt sind, und dabei leicht kritisch auf die Spitzen schauen, als ob man kurz davor sei, den Visagisten herbeizurufen. Ey, was machen wir eigentlich mit meiner Frisur in dieser Saison?

Roter Teppich heißt heute Abend: drei Meter Auslegeware in besagter Campus-Suite-Niederlassung gegenüber der Elbphilharmonie. Dazu Sponsorenwand. Die Prominentenköpfe schweben in einer Wolke aus Markennamen. Audi, Holsten, YouTube. Wann wird einer wie Banksy mal in so einem Kontext aktiv und mogelt ein paar genrefremde Begriffe dazwischen? Kalaschnikow. Flatulenz. Asbest?

Andererseits: Es geht um Charity. Der Online-Spendenkanal Channel Aid hat zwecks Unterstützung behinderter Kinder und Jugendlicher in die Elphi eingeladen. Es spielen drei sogenannte YouTube-Stars (Sänger aus Amerika, Sängerin aus Deutschland, Pianist aus Italien) und anschließend Rita Ora, die mit der netten, rauchigen Ich-bin-zwar-nicht-Beyoncé-aber-immer-noch-besser-als-Shakira-Stimme.

Für so einen Anlass klemmt man sich als Prominenter schon mal in ein kleines überfülltes Café, weil sich die zuständige Agentur den Presserummel im Konzerthaus nicht leisten wollte. In der Elbphilharmonie kostet alles wahnsinnig viel Geld. Saalmiete für diesen Abend allein: 30 000 Euro. Und dann die Bedingungen: keine Fotos von der Architektur, keine Fotos von den Mitarbeitern und, und, und. "Das PDF mit den Auflagen ist so dick", sagt die zuständige PR-Dame und spreizt Daumen und Zeigefinger ab, als habe sie einen Krampf in der Hand.

Das Hamburger Konzerthaus ist eine richtige Eventbude geworden. 850.000 Konzerttickets wurden 2017 verkauft. Klar, dass das nicht alles Anne Sophie Mutter sein kann oder Lang Lang. Da muss dann auch mal Rita Ora ran, die an diesem Abend zwischen exzentrischen Lichtelementen herumsteht. Die ambulant installierbare Lightshow bleibt ein Problem, interieurtechnisch gesprochen. Man dachte, der große Saal der Elbphilharmonie hätte mehr verdient als ein Spalier von Leuchtstoffröhren.

Klanglich, so hört man immer wieder, verzeiht der Raum nicht den kleinsten Patzer. Was die Deko angeht, ist er aber sehr genügsam.