Fire and Fury – "Feuer und Wut" – galt ursprünglich dem Bombenbauer Kim Jong Un. Jetzt ist es ein Buch mit dem Untertitel Inside the Trump White House, das schon am ersten Tag (5. Januar) die Nummer eins bei Amazon war. Diesen beispiellosen Erfolg verdankt der Autor Michael Wolff niemand anderem als Donald Trump. Der hatte ein Twitter-Bombardement gegen die Ausplauderer im Weißen Haus entfacht, dann gedroht, die Auslieferung verbieten zu lassen. Also sofort zugreifen, um die Enthüllungsklamotte nicht zu verpassen.

Warum schenkt der Präsident dem Wolff diese unbezahlbare Werbung? Die Antwort des New Yorker, des Zentralorgans der Trump-Hasser: Er ist ein "geistesgestörter Lügner, der sich mit Speichelleckern umgibt; er ist praktisch ein Analphabet und eine intellektuelle Niete – offenkundig untauglich für seinen Job". Der Mann sei also dumm wie Brot (was keine Beleidigung für das Backwerk sein soll).

Der Beweis? Nur ein Schwachsinniger würde mit seinen Kanonaden den Appetit auf das Buch schärfen. Diese Lesart klingt gut, verkennt aber, was Trump tatsächlich treibt. Diese Kolumne hat schon öfter die reine, unumstößliche Wahrheit verkündet. "Donald Trump" steht nicht für eine Regierung, sondern für eine Seifenoper, die ständig einen Cliffhanger braucht.

Freilich war der Plot zum Jahresende etwas zäh geworden. Wer blickt schon bei einer Steuerreform durch, wie sie im Dezember verabschiedet wurde? Die Anerkennung Jerusalems als Hauptstadt Israels zum Monatsbeginn war bereits eine vier Wochen alte Story. Die Twitter-Salven gegen Pjöngjang waren plötzlich dem Gesprächsangebot gewichen. Leider ist Entspannung langweiliger als Kriegsgetöse.

Die Quoten der Trump-Show sanken; ein Knüller musste her. Seit Fire and Fury redet ganz Amerika, die ganze Welt über Trump und den Erzhalunken Steve Bannon, der Trumps Sohn als "Verräter" und "unpatriotisch" denunziert habe. Der Papa habe es besonders genossen, die Frauen von Freunden ins Bett zu kriegen. Trump-Getreuen warf Bannon Geldwäsche vor.

Solche Gemeinheiten schaffen nicht einmal die Übeltäter in der deutschen Soap Verbotene Liebe. Brillant auch die Regieanweisung, die Steve Bannon zu Kreuze kriechen ließ: Seine Sprüche täten ihm sehr, sehr leid. Der Kolumnist der Washington Post vergleicht Donald nun mit Adolf, und der nächste Cliffhanger ist so gut wie programmiert: wenn Trump den Autor Wolff verklagt – und zwar weil er die Hälfte der Tantiemen verlangt. In der nächsten Klage geht es in der zweiten Staffel (ab 20. Januar) um die Filmrechte.

"There is no business like show business", lautet das geflügelte Wort. Dagegen ist Regieren so unterhaltsam wie das Aktenstudium, das Trump hasst. Der Mann ist der erste Präsident, der das Oval Office zum TV-Studio gemacht hat. Auch der letzte? Der ganz frische Gag heißt Oprah Winfrey, die Königin der Talkshows. Sie hat beim Golden Globe allen anderen die Show mit einer Rede gestohlen, die sich wie ein Wahlkampf-Manifest von links anhörte. Ihr Bekanntheitsgrad liegt bei hundert Prozent, ihre politische Erfahrung bei null.

Absurd? Selbst Konservative twittern ihr Mut zu. Könnte sie es gar schaffen? Das Modell ist Trump. Dem hat niemand den Wahlsieg zugetraut. Auch er sich selber nicht, wie Wolff es ausbreitet. "Anything goes" ist der Leitspruch der Postmoderne.