Der Teufel steckt bekanntermaßen im Detail. Da ist man pünktlichst aufgebrochen, hat sich durch den Hamburger Stadtverkehr gekämpft und schließlich die Elbphilharmonie erreicht. Hat den Kartencheck vor der Rolltreppe und das Geburtskanalgefühl der Auffahrt bewältigt. Konnte sich aus dem Klammergriff einer Touristin mit Schwindelanfall befreien und glücklich eine fotografierende Besuchergruppe durchbrechen. Schaffte es nach der Ticketkontrolle, ohne zu stolpern, über die Treppen bis zum Sitzplatz auf Ebene 15 – und dann, glücklich angekommen, fallen einem knapp vor Konzertbeginn zwei Dinge ein: erstens Toilette, was man lieber gleich wieder vergessen sollte. Und zweitens: Garderobe.

Wenn man sich schon die Toilette samt Warteschlange nicht gönnt, mithin auch nicht den Sekt in der Pause, kann man sich doch wenigstens des Winterparkas entledigen, der bei jeder Bewegung raschelt. Das ist nicht nur für einen selbst, auch für andere unzumutbar.

Nur: Wo ist das möglich? Auf der ganzen Ebene 15 ist keine Garderobe zu sehen. Eine Angestellte verweist schließlich auf Ebene 11. Dort, vier Stockwerke tiefer, befinden sich die einzigen Garderoben für den Großen Saal, und als man zurückkehrt, keuchend vom Treppenlaufen, hat das Konzert begonnen.

Muss das sein?

Ja – und nein. Die Architekten von Herzog & de Meuron haben sich bewusst für diese Garderobenlösung entschieden. "Es macht gerade auch den Reiz der Elbphilharmonie aus, dass die Foyerflächen zum Schlendern einladen und Platz für die Barbereiche lassen und nicht für zusätzliche Garderoben genutzt werden", sagt Enno Isermann von der Behörde für Kultur und Medien. Außerdem kann man seinen Mantel natürlich auch dann schon abgeben, wenn man nach der Rolltreppe auf dem Weg zu seinem Platz den elften Stock durchquert.

Und falls man das versäumt? "In der Elbphilharmonie gibt es keinen Garderobenzwang", sagt Elena Wätjen von der HamburgMusik gGmbH, "daher bevorzugen manche Besucher die Mitnahme in den Saal."

Etwa die Besucherin, die auf Ebene 15 neben einem sitzt. Auf dem Schoß einen Winterparka, der bei jeder Bewegung raschelt.