Schwarze Kleidung als Dresscode, appellative Reden, Hollywoodstars, die Aktivistinnen wie Schoßhündchen über den roten Teppich führen (etwa Meryl Streep die Sozialrechtlerin Ai-jen Poo). Ja, es ist ein bisschen billig, sich anlässlich der Verleihung der Golden Globes über das lustig zu machen, was man Hollywoods Politisierungsroutine nennen kann. Genauso billig ist es jedoch, Preisverleihungen in den Dienst einer Botschaft zu stellen, so als handle es sich um das Motto eines Kostümballs. Gestern Rokoko, heute #MeToo. Tatsächlich scheint es, als habe der Protest gegen politische Übel (die Wahl eines grauenvollen Präsidenten, Rassismus, Sexismus) sich in Hollywood in eine neue Form des Auftritts verwandelt: den Protest-Glamour, symbolisch gesprochen, den schwarzen Teppich.

In der hiesigen Presse sowie in internationalen Kommentaren wurden die nominierten Filme und Preisentscheidungen als Ergebnis eines durch die #MeToo-Debatte neu erwachten Bewusstseins gefeiert – auch die Auszeichnung für Fatih Akins Film Aus dem Nichts als bester fremdsprachiger Film. Dass Akins bisher durchaus zwiespältig aufgenommenes Werk in den USA gut ankommt, liegt aber eher daran, dass es sich um einen Genrefilm handelt: ein Rachedrama, in dem der ideologische Hintergrund der Neonazi-Täter letztlich eine Nebenrolle spielt. Die von Akin melodramatisch aufgeladenen, geradlinig verbundenen Versatzstücke treffen in der von Western, Thrillern, Kriegsfilmen geprägten amerikanischen Filmkultur auf eine andere Akzeptanz als in Europa. Die Auszeichnung von Aus dem Nichts auf die neufeministische Grundstimmung zurückzuführen heißt, am eigentlichen Verdienst dieses Regisseurs vorbeizufeiern: sich als einer der wenigen deutschen Kinoregisseure überhaupt und immer wieder an Genrefilme heranzuwagen. Und Akins Hauptdarstellerin Diane Kruger spielt wirklich großartig. Jedenfalls für eine Frau.