I. Ein intransparentes Geschäft

Immer wieder beschwört der Kunsthandel die Transparenz seiner Auktionen. Doch nur allzu oft erweist sich dieses Versprechen als Fiktion. Und das gilt besonders, wenn eine sogenannte "Third-Party Guarantee" bei einer Versteigerung im Spiel ist. Denn eine solche Garantie bedeutet: Bereits vor dem Aufruf im Auktionssaal steht fest, dass das Werk verkauft wird.

II. Ein geteilter Preis

Der Versteigerer hat dafür bereits vor der Auktion mit einer Person oder einer Interessentengruppe einen Mindestpreis ausgehandelt, der auch dann zu zahlen ist, wenn sich kein anderer Bieter meldet. Wird dieser Mindestpreis überboten, teilen sich das Auktionshaus und der potenzielle, aber nun nicht zum Zuge gekommene Käufer den Betrag, der die Garantie übersteigt. Auf die Frage, in welchem Verhältnis das geschieht, hüllen sich die Beteiligten allerdings für gewöhnlich in Schweigen.

III. Ein verstecktes Symbol

Wenn ein Werk mit der Verkaufsgewissheit einer Third-Party Guarantee aufgerufen wird, muss das im Katalog vermerkt sein. Aber es geschieht mithilfe eines Symbols, das jedes Auktionshaus selbst wählt und das unter all den anderen Katalogeinträgen kaum ins Auge fällt. Bei Christie’s ist dies ein Rhombus neben einer hochgestellten Null, bei Sotheby’s sind es zwei ineinandergestellte Bögen und bei Philipps eine Null mit Rhombus. Eine New Yorker Kritikerin apostrophierte diese Praxis deshalb als "auction house cryptography".

IV. Ein Gewinner ohne Gewinn

Die erste Third-Party Guarantee in der Geschichte wurde 1999 bei Sotheby’s in New York vereinbart: 40 Millionen Dollar für Picassos Gemälde Femme assise dans un jardin. Christie’s übernahm diese Art der Risikoauslagerung 2006. Als dann 2010 Picassos Gemälde Nude, Green Leaves and Bust mit der Taxe von 70 bis 90 Millionen Dollar für 95 Millionen versteigert wurde, war das zwar ein neuer Rekord. Aber für Christie’s war es dennoch nur ein schmaler Gewinn, da das Geld mit dem Garantiegeber geteilt werden musste. Die risk sharing arrangements, wie sie die Beteiligten gern nennen, erinnern nur zu oft an ein Buch von Ernest Hemingway: Der Sieger geht leer aus.