Ob wir es gemeinsam schaffen, 1.000 Kraniche aus Papier zu falten? Das haben wir euch im September gefragt. Damals erzählten wir euch von einer japanischen Legende, die besagt, dass derjenige einen Wunsch freihat, der 1.000 solcher Papiervögel faltet. Und wir erzählten euch von dem Mädchen Sadako aus der Stadt Hiroshima, das vor mehr als 60 Jahren an diese Legende glaubte und Kraniche faltete, weil sie leben wollte. Doch Sadako wurde nur zwölf Jahre alt. Sie war eins von vielen japanischen Kindern, die an den Folgen einer Atombombe starben.

An diese Kinder und an Sadako erinnert das Kinder-Friedensdenkmal in Hiroshima. Die große Statue ist ein Symbol dafür, dass Kinder sich nach Frieden in der Welt sehnen – ein Wunsch, der heute, wo sich die USA und Nordkorea gegenseitig mit Atomwaffen bedrohen, eine neue Dringlichkeit hat. Damit er endlich in Erfüllung geht, falten und falten Kinder aus vielen Ländern seit mehr als 60 Jahren Papier-Kraniche. Und das habt nun auch ihr getan.

Wir waren sicher, dass ihr es gemeinsam schafft, 1.000 Vögel zusammenzubekommen. Doch was in den vergangenen Wochen bei uns in der Redaktion eingetroffen ist, hätten wir niemals erwartet: gepolsterte Briefumschläge, große Kartons, kleine Päckchen. Inzwischen stapelt sich die Kranichpost in einem Büro bis unter die Decke. Wir haben gezählt und gezählt und gezählt, und hier ist das Ergebnis: Unglaubliche 9.865 Papiervögel habt ihr gefaltet! Ein gigantischer, bunter Schwarm aus winzig kleinen Kranichen und riesig großen, viele Einzelflieger, aber auch einige, die mit Fäden zu Bündeln zusammengeknotet sind.

Einige von euch haben allein gearbeitet, wie Jana aus Berlin, die "anfangs nur mit weißem Papier, später auch aus benutzten Fahrkarten" Vögel faltete. 25 Kraniche hat sie geschafft. Oder Anne aus Oberhausen, die es ganz allein auf 222 Papierflieger brachte. Viele von euch haben sich mit anderen zusammengetan, ihr habt in euren Familien, Kirchengemeinden und Klassen gefaltet. In Langenhagen hat eine Schule gleich eine große Friedensaktion gestartet. 2.760 Vögel sind entstanden, und eine Zeitung dort schrieb über die Schüler und unseren Aufruf. Aus ganz Deutschland trudelten die Kraniche bei uns ein, von Sylt bis Rosenheim, und auch aus anderen Ländern: aus der Schweiz, aus Frankreich, aus Italien, Großbritannien und den USA.

"Was habt ihr mit all den Vögeln vor?", haben Kollegen uns in den letzten Wochen immer wieder gefragt. "Wir schicken sie nach Japan", war unsere Antwort. Denn so war es abgemacht: Ihr faltet, und wir senden alle Kraniche zusammen mit den Wünschen, die viele von euch auf die Flügel geschrieben haben, weiter. Und damit wir die 10.000 vollkriegen, falten wir die fehlenden 135 in der Redaktion.

In Hiroshima wird Masanobu Murakami sie in Empfang nehmen. Der Mann ist der Wächter des Denkmals und derjenige, der den Papiervögeln bald ein neues Zuhause gibt. Um das Denkmal herum stehen nämlich große Glaskästen, die mit den Friedens-Kranichen gefüllt sind. Masanobu Murakami wird auch unsere Vögel dort aufhängen, sodass die Besucher aus aller Welt sie sehen können.

Unsere Aktion ist damit zu Ende, doch wer sie verpasst hat oder weiterfalten möchte, kann seine Friedens-Botschafter auch selber nach Hiroshima schicken, an:

General Affairs Division
Hiroshima Peace Culture Foundation
1–2 Nakajima-cho, Naka-ku, Hiroshima
Japan 730-0811

Masanobu Murakami wird für jeden Kranich einen Platz finden, damit weiterhin gesehen wird, was viele von euch Kindern sich wünschen: Frieden in der Welt.