Es war kurz nach Weihnachten, als Familie A. in ihrem Briefkasten ein Infoblatt fand. 587 Euro pro Person pro Monat, stand darauf, werde ihre Unterkunft ab 1. Januar 2018 kosten. Macht insgesamt 4.109 Euro für die siebenköpfige Familie. Dabei bewohnt Familie A. keine Luxusvilla, im Gegenteil: Sie lebt in einem 70-Quadratmeter-Containermodul mit Möbeln vom Flohmarkt, ohne Internet, ohne Handyempfang. So schildert es die Flüchtlingshelferin Kerstin Heuer, die die Familie betreut.

Der Absender des Infoblatts, das Familie A. und fast 30.000 andere Menschen in Hamburg rund um Weihnachten in ihren Briefkästen fanden, war kein skrupelloser Miethai, sondern das städtische Unternehmen Fördern und Wohnen. Es betreibt in Hamburg 122 öffentliche Unterkünfte, umgangssprachlich meist als Folgeunterkünfte bezeichnet.

Rund 24.500 Flüchtlinge und Asylbewerber und etwa 4.500 Obdachlose sind zurzeit dort untergebracht. Manche leben in Mehrfamilienhäusern, manche in umgebauten Verwaltungsgebäuden oder Containermodulen. Dort wohnen sie üblicherweise zu zweit in einem Zimmer mit zwei Betten, zwei Stühlen, einem Tisch und einem Schrank. Küche und Bad teilen sich bis zu ein Dutzend Menschen, Internet ist meist nicht verfügbar, Wäschewaschen kostet auch oft extra.

141 Euro pro Person pro Monat hatte diese Unterbringung bisher gekostet. Jetzt wurde der Betrag plötzlich mehr als vervierfacht. Wie kann das sein? Wie ist es möglich, dass ein Platz in einem halben Wohncontainer monatlich 587 Euro kostet? Für dieselbe Summe findet man in Hamburg mit etwas Glück schon eine Einzimmerwohnung.

In der Gebühr sind Kosten für Sozialarbeit und den Wachdienst enthalten

Die Gebühr für die öffentliche Unterbringung sei mit einer normalen Miete nicht zu vergleichen, heißt es bei der Sozialbehörde und bei Fördern und Wohnen. In der Gebühr seien unter anderem auch die Kosten für Sozialarbeit und Wachdienst enthalten.

Doch das kann bei Weitem nicht die massive Erhöhung begründen. Eine Sozialarbeiterin betreut etwa 80 Bewohner. Die massive Erhöhung hat vor allem einen anderen Grund: Die Stadt hat nach der massenhaften Ankunft von Flüchtlingen im Jahr 2015 sehr teure Unterkünfte gebaut. Nun versucht sie, wenigstens einen Teil des Geldes aus anderen öffentlichen Quellen erstattet zu bekommen.

"Beim sozialen Wohnungsbau gibt es normalerweise ein typisiertes Haus, man kann planen und so günstig wie möglich bauen", sagt Susanne Schwendtke, die Sprecherin von Fördern und Wohnen. "Wir hingegen mussten 2015 wahnsinnig schnell reagieren. Als Stadtstaat haben wir nicht viele Flächen, also mussten wir auf Parkplätzen oder morastigen Wiesen eine Wasser- und Stromversorgung aus dem Boden stampfen. Gerade die temporären Bauten mit Containermodulen waren im Bau oft relativ teuer." Außerdem zahle Fördern und Wohnen an manchen Standorten selbst hohe Mieten, immerhin sei es "politischer Wille, dass auch in wohlhabenden Stadtteilen Unterkünfte betrieben werden".

Und auch Bürgerinitiativen, die gegen Flüchtlingsheime in ihrer Umgebung klagten, hätten die Unterkünfte teurer gemacht, sagt Marcel Schweitzer, der Sprecher der Sozialbehörde. Um sich mit den Bürgerinitiativen zu einigen, habe man an manchen Standorten die Zahl der geplanten Plätze gesenkt; die Miete, die Fördern und Wohnen für den Standort zahlen müsse, sei aber nicht geringer geworden.

Das alles schlägt sich nun im städtischen Haushalt nieder: Im Jahr 2016 hat die Sozialbehörde für die Unterkünfte 158,5 Millionen Euro ausgegeben. Die im selben Jahr eingenommenen Gebühren deckten nur 21 Prozent der Kosten ab. Dass die Gebühren nicht den Kosten entsprachen, bemängelte der Rechnungshof seit Jahren. Bei der Gebührenerhöhung geht es nun im Wesentlichen darum, den städtischen Haushalt zu entlasten. Die Stadt hofft auf Mehreinnahmen von etwa 48 Millionen Euro vom Bund. Auch andere Städte wie München, Stuttgart und Dresden haben zuletzt, offenbar aus demselben Grund, die Gebühren für ihre Unterkünfte deutlich angehoben.